„Wie die Stones, nur eben mit Musik“

Sebastian Krämer vivisektiert Tüpfelhyänen

Wenn sich letztlich dann doch … alles um „die Entmachtung des Üblichen“ (Album-Subtitel) dreht, dreht Sebastian Krämer an vorderster Front am Rad der Geschichte und Geschichten. Mit der ab-, durch- und umgedrehten Chanson-Preziosen-Kollektion „Tüpfelhyänen“ (Reptiphon/Broken Silence), die ab dem 14. Februar schnöden Mammon in bleibende Werte zu wandeln weiß, bricht für Libretti deutscher Provenienz das Zeitalter einer neuen Messlatte an. Einer Messlatte, die erst noch geeicht werden muss, mit jeder kommenden Live-Präsenz, bei der uns Sebastian Krämer Hirn und Herz zurechtrücken wird. Verkündigt sei hiermit das Ende der hinlänglichen Unzulänglichkeiten von „Text und Kritik“ – und der Beginn der Entmachtung des Üblichen, eben.

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Knotenerneuerer: Sebastian Krämer (Reptiphon)

Knotenerneuerer: Sebastian Krämer (Reptiphon)

Als Enkel des in Insider-Kreisen hoch geschätzten Fundamentalontologen Nicolai Hartmann scheint Sebastian Krämer geradezu prädestiniert, dem Logos das Sein (ontisch) wieder zuzuführen, logisch.  Dabei in beschämender Fabulierlust den Selbstzweck in die eigens eng geschnürten Schuhe schiebend, weicht die Verblüffung der Einsicht: der Herr Krämer spielt (leider?) in seiner eigenen Liga. Weit und breit kann oder will ihm – hierzulande – niemand das Wasser reichen. Wozu auch, erweckt der gebürtige Bad Oeynhausener doch den perfiden Anschein, sich selbst zu genügen, sich selbst am perlend-prickelnden Jahrgangssekt des eigenen Schaffens über Gebühr zu erfreuen. Doch wer ihn erhört, der wird sich dieser törichten Unterstellung schämen – und fortan das schale Selters des Üblichen (sic) schmähen wie der Teufel das verwässerte Weihwasser der ubiquitären Originalitätssimulanten von den Kleinkunstbühnen und aus den Stimmungsarenen von nebenan.

Wäre der Meister der „subtil heranschleichenden Boshaftigkeit“ (Tip, Berlin), der „Paganini der Chansonniers“ (Danny Dziuk) ein Emporkömmling aus dem Nichts – was wäre es eine Freude, ihn hier in höchsten Tönen zu übervorteilen. Aber, nicht doch: Schon seit Jahren, an die zwanzig an der Zahl, singt Sebastian Krämer Klartext, und spielt dazu ein Piano, als habe er nichts anderes gelernt. Mittlerweile (mit seinem neuen Meisterklassenabschlusswerk „Tüpfelhyänen“) wirkt er bei allem seit jeher vorhandenen Talent so dermaßen souverän, dass es eine entmutigende Schädlichkeit hat. Wer, wenn nicht er selbst, könnte ihn noch übertreffen?

Die Entmachtung des Üblichen (Reptiphon)

Die Entmachtung des Üblichen (Reptiphon)

Nun mal halblang. Das sind doch alles nur flott getextete affirmative Annäherungen an konformistisch konfektionierte Befindlichkeiten, die mit einer gewissen Schläue (und namhafter Unterstützung, wie etwa von Karsten Zimmermann am Horn oder Gregor Nowak am Cello) bedarfsgerecht aufbereitet wurden. Meint ein ernüchtertes Feuilleton, meinen die Okkupanten meta-souveränen Checkertums, meint das genügsame Gewissen der Selbstgerechten. Doch das, was Sebastian Krämer in den Berliner Knorrfix-Studios da zusammengebraut hat, haut auch der letzten noch verbliebenen Maggi-Flasche den Boden aus. Menschen, Tiere, Sensationen – ohne Geschmacksverstärker. „Wie die Stones, nur eben mit Musik“, wie der Schöpfer selbst sein Schaffen bei aller Bescheidenheit sinnfällig und über alle Maßen zutreffend verortet.

Kunden, die dies auszuhalten vermögen, halten auch aus:

12.02. Leverkusen (Kolonie 1)
13.02. Oberhausen (Ebertbad)
14.02. CH-Kreuzlingen (KIK)
15.02. A-Feldkirch (Theater am Saumarkt)
21.02. Bergen in der Lüneburger Heide (Stadthaus)
22.02. Köln (Bürgerhaus Stollwerck)
27.02. Berlin (Heinathafen Neukölln, CD-Release-Party)
28.02. Herrenberg (Mauerwerk)
01.03. Unterföhring (Bürgerhaus)
wird fortgesetzt

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