Mit `Kid Face´ unterwegs in Deutschland

„Keinerlei Strategie“, Interview mit Samantha Crain

Zum ersten Mal in ihrer gar nicht mehr so jungen Karriere beehrt die Songwriterin Samantha Crain aus Shawnee, Oklahoma deutsche Bühnen. Als Opener für (die gestrig in Köln angenehm alkoholisierten) Deer Tick präsentiert die herzensgute Künstlerin ihr neues Album „Kid Face“ (Full Time Hobby/Rough Trade) und gibt mit einem ausgewogen abwechslungsreichen und leider viel zu kurzen Set ihre musikalische Visitenkarte ab. Im Gespräch mit amusio erteilt sie freimütig Auskunft über ihr Selbstverständnis und ihre Erfahrungen als professionelle Musikerin.

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Steht auf Punk-Konzerte: Samantha Crain (samanthacrain.com / Keisha Register)

Steht auf Punk-Konzerte: Samantha Crain (samanthacrain.com / Keisha Register)

amusio: „Hi Samantha, wie ist es dieser Tage im Vereinigten Königreich gelaufen?“

Samantha Crain: „Nun, im Gegensatz zu Deutschland war ich dort schon öfters unterwegs. Aber diesmal hatte ich ein richtig großes Publikum, bei den Celtic Connections in Glasgow mit Suzanne Vega. Aber auch bei den anderen Gigs bin ich auf ein erfreulich großes Interesse gestoßen. Ich fühle mich willkommen, bestätigt und bin entsprechend optimistisch, was den weiteren Verlauf der Tour betrifft, auch wenn ich mit Ausnahme von meinem Berliner Gastspiel nur den Aufwärmer für die Jungs von Deer Tick machen werde. Aber das ist völlig in Ordnung für mich, denn um auch als Alleinunterhalterin ein abendfüllendes Programm bestreiten zu können, kommen mir die Erfahrungen, die ich als Opener sammeln kann, sehr gelegen.“

amusio: „Denkst du, dass das europäische Publikum anders auf deine originär amerikanisch geprägten Songs reagiert als in den Staaten oder Kanada?“

Samantha Crain: “Mir gefällt die Aufmerksamkeit, mit der das Publikum in der Alten Welt zuhört. Wenn ich hier singe, wird es im Saal mucksmäuschenstill. Das ist in den Staaten anders, vielleicht weil man dort meint, meine Musik oder zumindest meine Art von Musik schon zu gut zu kennen oder schon zu oft gehört zu haben. Ich vermute, dass ich in Europa einen gewissen Exoten-Staus bekleide, der die Leute neugierig und im besten Sinne hellhörig macht. Allerdings weiß ich noch nicht, wie ich im nicht primär englischsprachigen Raum mein Showkonzept des Storytellings umsetzen kann. Üblicherweise pflege ich bei meinen Auftritten recht viel zu erzählen, aus meinem Leben und über meine Songs, und ich kann ja nicht davon ausgehen oder verlangen, dass man hier meinen Slang, meine In-Jokes und Anspielungen auf Anhieb versteht. An meinen Wortbeiträgen werde ich zur besseren Verständlichkeit noch etwas feilen müssen. Zum Glück verfüge ich heute als Opener nicht über allzu viel Zeit, um die Zuhörer mit meinen langen Überleitungen zu konfrontieren.“ (lacht)

amusio: „Aber aufs Geschichtenerzählen verstehst du dich?“

Samantha Crain: „Sicher, natürlich erzähle ich als Songwriterin Geschichten, doch auf dem neuen Album habe ich erstmals darauf verzichtet, fiktionale Stories zu verarbeiten. In den letzten Jahren ist in meinem Leben so vieles geschehen, leider auch viele unerfreuliche aber umso lehrreichere Dinge, dass ich keinen Anlass mehr sehe, unbedingt meine Phantasie bemühen zu müssen, um interessante Texte schreiben zu können. Gerade darum bin ich mit ´Kid Face` auch so zufrieden. Es ist eine hundertprozentig autobiographische Platte geworden, für mich fühlt sie sich wie ein Befreiungsschlag an. Ich konnte mit vielem ins Gericht gehen, mit mir selbst und mit den Menschen in meinem Leben, die nun einmal meine Erfahrungen im Guten wie im Schlechten prägen.“

Kid Face Cover (Full Time Hobby / Rough Trade)

Kid Face Cover (Full Time Hobby / Rough Trade)

amusio: „Also ist es dir durchaus recht, wenn dein neues, drittes Album hierzulande als Debut verstanden wird?“

Samantha Crain: „Ja, das kommt mir entgegen. Speziell zu meinem zweiten Album, `Songs In The Night´ hat es viel berechtigte Kritik gegeben. Ich mag es zwar nach wie vor, aber es erschien nicht nur mir zu wenig geerdet und echt. Mit dem Material von `Kid Face´ kann ich nun befreit aufspielen. Und mit `Full Time Hobby´, meinem neuen Label für Europa im Rücken und der tollen Unterstützung der Promotion-Agentur `Verstärker´ läuft nun alles nach Wunsch. Aber ich kann versichern, dass keinerlei Strategie dahintersteckt. Ich habe mich damals dazu entschlossen Songs zu schreiben, um mit ihnen unterwegs sein zu können, mehr nicht. Wenn ich meine Karriere strategisch geplant hätte, wäre mir sicher der ein oder andere Fehler nicht unterlaufen.“

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