Stephans Stramme Saiten (5)

Ich müsste noch mal 13 sein – KMPFSPRT vs. Metal

In den mit dem Alter immer rapider vergehenden Tagen … setzt auf meinem Rezensionstisch ein ganzer Haufen von Veröffentlichungen Staub an, das ist ganz normal. To pick and choose carefully, so lautet das selbstauferlegte Motto, um der Versuchung zu widerstehen, mich schriftlich 24/24 (und das 7/7) zu all dem zu äußern, was tagtäglich an mein Musikverständnis herangetragen wird. Zugegeben, ich habe es ja auch so gewollt (andere machen es doch auch!) – und kann nach wie vor nicht genug an Input in meinen tendenziell maßlosen Hals kriegen. So gönnte ich mir zuletzt einen Abend der stillen (und mit laut intendierter Musik angefüllten) Einkehr.

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KMPFSPRT, Jugend Mutiert (Uncle M)

KMPFSPRT, Jugend Mutiert (Uncle M)

Dass mir dabei ganz schwermütig zumute wurde, sei jener beflissenen Unschuld gewidmet, die mir in den vergangenen drei Jahrzehnten abhandengekommen zu sein scheint. Ich startete meinen Abend der auto-oktroyierten Kontemplation mit KMPFSPRT, jener dieser Tage aufstrebenden Neo-Studi-Hipster-Punkband aus meiner Heimatstadt. „Jugend Mutiert“ (Uncle M / Cargo), so so, so steht es auf der Lederjacke geschrieben, die das Cover ziert. Meine Güte, als mich dieser Sound noch hätte großspurig aufmüpfig werden lassen, also vor so ca. dreißig Jahren, da haben wir uns noch sinnfrei „Dauerlutscher Cologne“, „Beschissen Pornogod“ oder einfach nur das Anarchie-A auf die Leder- und Jeansjacken gesprayt. Und hatten eben nicht diese Auslegung von „Punk“, die mir heute dünkt, unangemessen verkopft zu sein, die mir aber damals total in den Kram gepasst hätte. Garantiert, so mit 13, maximal 14, bevor ich den wirklich subversiven (eine junge Seele beeindruckenden) Stuff für mich entdecken durfte: Noise, Industrial, EBM, Neubauten, Grindcore, Big Black etc. Halt jene Stilistiken, die mir Punk zu etwas machten, von dem es sich fortan zu distanzieren galt. Um sich vom Mainstream abzusetzen, um nur ja nicht den Eindruck der Uncoolness zu erwecken, um Neuland zu erobern. Doch wenn „Jugend mutiert“ damals erschienen wäre, ich hätte es geliebt.
Heute kann ich es (leider?) nur als wertig und zeitgemäß anerkennen, ich sollte mal auf ein Konzert von denen gehen – nur um festzustellen, dass sich in mir etwas überlebt hat, das die part-time aufgeklärten Studis von heute noch in vollen Zügen und bar einer langjährigen Musik-Sozialisation zu goutieren wissen („schwule Realschüler“ stehen ja mehr auf satanistischen Black Metal, wie Sebastian Krämer so treffend festgestellt haben will).

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