Laibach veröffentlichen Spectre

Ende der ironischen Brechung?

Auf Mute / GoodToGo werden die unverzichtbaren Aushängeschilder der Neuen Slowenischen Kunst, Laibach, nach acht Jahren der Abstinenz endlich wieder ein neues Studioalbum veröffentlichen (vom  3. März auf den 28. Februar vorverlegt). Musikalisch zeitnah kommerziell ausgerichtet, überraschen die erstmals eindeutig formulierten, politisch-satirisch motivierten Statements zum Weltenlauf. Fehlt sozusagen nur die aktive Teilnahme von Pussy Riot, E. Snowden und / oder Ströbele, doch die waren oder sind zwischenzeitlich verhindert.

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Spektrum, Spekulum, Spektakel: Laibachs Neue (Rough Trage / GoodToGo)

Spektrum, Spekulum, Spektakel: Laibachs Neue (Rough Trage / GoodToGo)

Laibach haben sich seit sehr jungen Jahren (1983) stets einen Spaß daraus gemacht, missverstanden zu werden. Da saß Milan, der charismatische Clown am Mikro, zu Hamburg tagelang im Kino, um sich die „Gremlins“ reinzuziehen, da bekam sich das (deutsche) Feuilleton schon nicht mehr ein, vor lauter Faschismus-Verdacht und Überforderung. In den Archiven des WDR dürfte noch das hochnotpeinliche Küppersbusch-Vehikel lagern, das mit überbetont suggestivem Off-Gelaber den Mitschnitt eines Konzerts zu Bonn zum Anlass nahm, Laibach in die extrem rechte Ecke (und Szene) zu rücken – womit der Band, dem Künstler-Kollektiv, eine Punktlandung gelang. Noch regt sich der Verdacht, Laibach hätten diese Sternstunde manipulativ angedachter Selbstentäußerung schlechten nationalen Gewissens („Können wir es uns wieder erlauben…“) autorisiert.

Kurze Zeit später (1987) scheiterte auch die Kulturredaktion des Magazins „Der Spiegel“ an einer stichhaltigen Einschätzung Laibachs, herausgefordert von der Partizipation der Band an Wilfried Minks‘ „Macbeth“- Inszenierung am Hamburger Schauspielhaus (also Hochkultur). Auch der trübnäsige Blixa Bargeld fühlte sich von Laibach persönlich angegriffen, zog unter Zadek mit dem Musical „Andi“ in Bochum nach und sich selbst seitdem ins Abseits realpolitisch-ideologischer Besserwisserei, ohne auch nur einen klaren Gedanken im Schilde zu führen.

So eindeutig wie die Aussagen einst Meinungskompetenz für sich beanspruchenden „Industrial“- Musiker wie vor allem die britischen (Alt-)Kommunisten und Arbeitsrechtler von Test Department, so verlässlich mehrdeutig die Slowenen: Interviews allenfalls schriftlich, Anmaßungen (wie etwa „Let It Be“ der Beatles beinahe komplett zu covern und die dort enthaltenen, doch zuvor geflissentlich überhörten Deutungseben zu erschließen), staatstragende Ereignisse (NATO-Beitritt Sloweniens).

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Eine Antwort auf Ende der ironischen Brechung?

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