Üble Großtat - rausgekramt

Signal Aout 42 wieder im Aufschnitt

Mit „Pro Patria“ (damals LDR / PIAS/ SPV, heute noch Disco Smash) erschufen die Mittelbelgier um Jacky Meurisse 1989 ein in hochwertigem Plastik doppelt verpacktes Teil Klang gewordenen Stumpfsinns. Mit der Distanz von annähernd 25 Jahren ist es an der Zeit, ein Album zu würdigen, das schon zu seiner Entstehung viel mehr von Dancefloor und schlechtem Geschmack verstand, als es ihr, der Platte,  dereinst zugemutet wurde.

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Es fehlt die Ummantelung: Pro Patria (SPV / PIAS / Disco Smash)

Es fehlt die Ummantelung: Pro Patria (SPV / PIAS / Disco Smash)

Ja, eine Zumutung war das! Vorgeblich saublöd und kreuzdumm zusammen gestümpert, „Die Form ist Gold dagegen“ (O-Ton Spex zur Zeit). New Beat, EBM und Disko auf einem Haufen, das war nicht auszuhalten. Die überschaubar Wenigen, die der Versuchung widerstanden, sich angeekelt abzuwenden, wurden hingegen mit neun, na gut, zehn Tracks für die Ewigkeit belohnt. Und zahllose DJs haben an „Pro Patria“ gelernt: Wenn es ums Vaterland geht, darf Mutti nicht fehlen.

Die Begeisterung fürs Paramilitärische der EBM-Gemeinde (nach dem Zivi zum Erzieher umgeschult) aufgreifend, startet „Pro Patria“ mit U-Boot-Kriegsphantasien durch, „Dance to the submarine beat!“. Wer benötigte anno 89 noch Echolote?! U 96 vielleicht. Kurt Euler, Dietterich von Euler-Donnersperg, hat dann mit „Skagerrak“ (Werkbund) aus dem Stand einen Gegenentwurf vorgelegt, Laboe sei Dank.

Es folgt mit „You Are“ jene gewollt lächerliche Dance-Travestie, die sich durchhält, bis dann, auf Seite 2, sämtliche Esel durchgehen: DJ-Persiflage („Right Thing“), Patrioten-Dissing (Titeltrack), das unsäglich bescheuerte „Voice Of Hell“ (schon damals zu oft gehörte Führer-Samples mit zeitlich desorientierten Kommentar) und „Secret Garden“, bei dem selbst die zuvor unbedarftesten Fötzchen warm, spritzig und empfänglich zu werden pflegten (Tipp für unversorgte Pimmel: Platte kaufen und beim vorletzten Bier auflegen). Und dann – „Autopsy“, eine Art Meditation.

„Pro Patria“ – ein Geniestreich, ein Kompendium, ein Manifest!  Im aufgeklärten Heute kaum noch vermittelbar, in Gedenken an eine Zeit ohne die permanente Herausforderung der Impertinenz: Große Klasse, ganz großes Kino und 40 minütiger Cunnilingus (tbc, muss nur mal umdrehen). Die auf „Pro Patria“ folgenden Platten der belgischen Combo („Contrast“, „Conviction“, „Transformation“, „Vae Victis“) kann man by the way weitestgehend getrost vergessen.

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