Karibische Musik im Karneval und sonst

Auf Trinidad wird nicht nur getrommelt …

Die karibischen Inseln sind nicht nur nautisch und wirtschaftlich gut miteinander vernetzt, sondern auch im Hinblick auf die vorherrschende kulturelle und vor allem musikalische Orientierung: Rhythmusinstrumente sind ein besonderes Kennzeichen aller Inselregionen, sei es was es den Son aus Kuba betrifft oder die Steelbands auf Tobago und Trinidad. Hatte karibische Musik bis ins 20. Jahrhundert ihr Dasein mehr oder weniger als Reservoire folkloristischer Überlieferung für Musikethnologen gefristet, ereignete sich mit den verschiedenen vor allem aus den afrikanischen Traditionen hervorgegangenen Tänzen und Rhythmen eine explosive Internationalisierung: Reggae, Calypso und Black Gospel feierten ihre Geburtsstunde in der Karibik.

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Musiker auf der großen karibischen Point-Pitre-Prozession zum Winterkarneval  auf Guadeloupe mit typischem Trommelinstrumentarium (Mstyslav Chernov)

Musiker auf der großen karibischen Point-Pitre-Prozession zum Winterkarneval auf Guadeloupe mit typischem Trommelinstrumentarium (Mstyslav Chernov)

Der sprunghafte Erfolg der karibischen Popularmusik weltweit sorgte unter anderem auch dafür, dass sich indigene Stile in neuen Zentren  weiterentwickeln und verselbständigen konnten, so die kubanische und puertoricanische Musik in New York. Das bekannteste Ressort in der Inselwelt selbst blieb freilich nach dem – nicht zuletzt dank Bob Marley - rasch verbreiteten Reggae dessen Heimat Jamaika. Der besonders auf Kuba gepflegte Salsa entstand bekanntlich aus einer Mischung afrikanischer Trommel- und Tanzstile mit der ländlichen folkloristischen Gitarrenmusik Spaniens.

In dieser Jahreszeit - zum Karneval – ist insbesondere der Soca als schnellere Variante des Calypso gefragt, wie ihn die Steel Bands auf Trinidad zelebrieren: Ein wesentlicher Bestandteil des Instrumentariums sind hier die Steel Pans, die aus alten Ölfässern zu heute hochvirtuosen Musikinstrumenten umfunktioniert wurden und mit denen sich – im Ensemble – heute sogar das komplette klassische Orchesterrepertoire darstellen lässt, da durch das Schlagen der Eintiefungen die gesamte Dur- und Moll-Tonleiter mit allen Halbtonschritten gespielt werden kann. Der eigenartige helle, gleichzeitig aber gläsern-dumpfe Ton verhallt zwar relativ schnell, eignet sich aber hervorragend nicht nur für den einheimischen lebensfrohen Calypso, sondern zur Wiedergabe jedweder polyphoner Musik. Gebannt lauschen Touristen seit langem der kunstfertigen und vollständigen Realisation der Hallelujah-Partitur aus Händels Messiah durch eine zwölfköpfige schwarze Steel Band auf Tobago, die vorzugsweise unter freiem Himmel auftritt.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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