23. Wave Gotik Treffen (III)

Jubel, Trubel, innere Einkehr

Der Strom reißt nicht ab, beinahe im Stundentakt verkündigt die Festivalleitung weitere Hochkaräter, Newcomer und Wiedergänger, die zu Pfingsten das Mekka der schwarzen Szene beglücken werden. Bei dieser nun schon dritten Vorschau aufs „Festival der Feste“ gilt es zwei Ereignisse anzukündigen, die den besonderen Stellenwert der Veranstaltung erneut bestärken. Zum einen begeht die Wave-Kultband The Eternal Afflict ihren 25. Geburtstag mit einem exklusiven Konzert, zum anderen hat die Dark-Elektro-Institution Placebo Effect angekündigt, auch 2014 nicht live aufzutreten, natürlich mit einer Ausnahme …

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Willkommen zur 23. Runde: WGT 2014 (screenshot / wave-gotik-treffen.de)

Willkommen zur 23. Runde: WGT 2014 (wave-gotik-treffen.de)

„San Diego“, „Kinski Is Dead“, „Trauma Rouge“ … noch heute kraftvoll zupackende Meilensteine und Floorfiller aus der frühen Schmiede von The Eternal Effect aus Essen. Nach diversen Auflösungen und Reformationen begehen sie zu Leipzig die Feierlichkeiten anlässlich von insgesamt einem Vierteljahrhundert bewegter Bandgeschichte. Ob Cyan und Mark neben ihrer brandneuen (VÖ heute!) und mächtig lospreschenden EP „Perish“ bis dahin auch mit „Birth Life Death“ den zweiten Teil ihrer als Trilogie angedachten Veröffentlichungsreihe pünktlich am Start haben werden? Diese Frage verkommt angesichts des umfangreichen Repertoires aus unvergänglichen Zeiten fast zur Nebensache: Jubel, Trubel und Heiterkeit werden die geladenen Gäste zum ausladenden Abfeiern verführen.

Placebo Effect - nur noch 4.000 likes bis zum neuen Album (facebook.com/PlaceboEffect.official)

Placebo Effect – nur noch 4.000 likes bis zum neuen Album (facebook.com/PlaceboEffect.official)

Auch die Gründung der Duderstädter Dark-Elektro-Pioniere Placebo Effect jährt sich zum 25. Mal (Kinder, wie die Zeit vergeht!). Und – rechtzeitig zu ihrem vorläufig einzigen Konzert spielen Axel Marchens und Konsorten mit dem Gedanken, die Band dauerhaft zu reanimieren. Die ersten 1000 likes auf ihrer Facebook-Seite haben bereits einen neuen Song nach sich gezogen, „schaffen wir es bis zum WGT bis 5.000, dann machen wir vielleicht auch noch ein neues Album.“ Eine unwiderstehliche Aufforderung (facebook.com/PlaceboEffect.official), es bleibt – zum Glück – nicht mehr allzu viel Zeit. Zeit, die sich mit einer Wiederentdeckung der PE-Meisterwerke („Slashed Open“) noch genüsslich verkürzen lässt.

Sogar bis ins Jahr 1982 reicht die Geschichte der britischen Industrial-Band Konstruktivits zurück, deren Verquickung von harschen Tape-Loops, Proto-Dance und krautrockigen Eskapaden einzigartig war und ist. Es steht also eine mit musikalischen Grenzgängen gesegnete Aufwartung an, die zwangsläufig zu einer bleibenden Erfahrung ausarten wird.

Undurchsichtig: Konstruktivits (klanggalerie.com/konsort)

Undurchsichtig: Konstruktivits (klanggalerie.com/konsort)

Nach Joy Of Life eine weitere Retro-Offenbarung aus dem Vereinigten Königreich, mit der kaum noch zu rechnen war, sich zum WGT aber wieder anschickt, die algebraische Formelsammlung innovativ zu interpretieren.

Wem die heutige Auswahl an WGT-Acts bisher zu elektronisch ausgefallen ist, der darf sich nun auf das Gastspiel der französischen Post-Metal-Neo-Shoegazer von Alcest freuen. Mit dem aktuellen Album „Shelter“ ist es Alcest-Kopf Neige gelungen, auch jenseits des Genre-Horizonts für große Aufmerksamkeit und begeisterte Kritiken zu sorgen. Fast könnte der Eindruck entstehen, dass die neue, optimistische Zugänglichkeit aus Alcest eine Band für jedermann gemacht hat, aber auf dem WGT bleiben ihre romantischen Tagträumereien am besten aufgehoben. Vor allem, wenn ihr Auftritt wieder die bezaubernde Dichte des Erstlings „Souvenirs d’un autre monde“ erreicht, wie bereits auf der Clubtour zu Anfang dieses Jahres.

Verdiana Maria Dolce (verdianaraw.com)

Verdiana Maria Dolce – welch glaubwürdiger Name! (verdianaraw.com)

Zum Abschluss des Vorfreudentanzes spielt das italienische Künstlerkollektiv Verdiana Raw auf. „Heavenly Voices“-Vokalakrobatik trifft auf zartbittere Klanggobelins, detailversessene Art Brut-Verweise auf wohlig verschwommene Stimmungsbilder. Es kann sicherlich nicht schaden, sich im Vorfeld mehr als nur einmal oder flüchtig mit dem somnambul entrückten Album „Metaxý“ zu beschäftigen. Die unterschwelligen Gleichlaufschwankungen im mäandernden Fluss bergen weitaus mehr an erratischer Substanz, als dies zunächst den Anschein haben mag. Verdiana Raw stellen Ansprüche, an sich selbst und an ihre Zuhörer. Mit extra-feinen Intimklängen, die konzentrierte Aufmerksamkeit erfordern und als Forum innerer Einkehr ein willkommenes Interim zur einzigartigen WGT-Reizüberflutung bieten.

The Eternal Afflict
„Perish!” – Trilogie Promotion Trailer
youtube.com/watch?v=5Pr6APFyGcE

Placebo Effect
„Slashed Open “
youtube.com/watch?v=8Fe1-z75wAg

Konstruktivits
„Andropov ‘84”
youtube.com/watch?v=6z97TRZJw54

Alcest
„Opale”
youtube.com/watch?v=ADIEAW65H5o

Verdiana Raw
„Live in Rome”
youtube.com/watch?v=dw2k6lLz2TE

wave-gotik-treffen.de

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