We Are Scientists im Gespräch

Wissenschaft für Fortgeschrittene

„Persönlich werden, dabei aber verständlich bleiben, das ist die hohe Wissenschaft, die hohe Kunst“, stellt Silberschopf Keith Murray, Gitarrist der Indie-Rockband „We Are Scientists“ anlässlich eines Kneipentalks im Vorfeld ihres Konzerts im Kölner Luxor fest. Und sein Kompagnon, Bassist und Schnäuzerträger Chris Cain stimmt nachdrücklich mit dem Kopf nickend zu. Wie auf der Bühne, so erwecken die beiden Charakterköpfe auch im Gespräch den Eindruck, dass sie in den vergangenen fünfzehn Jahren viel Zeit in harmonischer Gemeinsamkeit verbracht haben – und dabei ihr Tun deutlich ernsthafter reflektieren, als ihr spaßiges Image glauben macht.

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Wissenschaftlich erwiesen: Kölsch ist trinkbar (Stephan Wolf)

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Nein, der von ihnen kreierte Cocktail, „Murky Muckbottom“, „mittlerweile mit Sicherheit ein Klassiker der Moderne“ (Keith Murry und Chris Cain unisono), haben sie nicht mitgebracht. In einer Kölner Theaterkneipe greifen sie beherzt zum Kölsch. Köln ist nach drei Konzerten die letzte deutsche Station ihrer diesjährigen Welttournee. „Wir sind total begeistert von unseren deutschen Konzerten, so einen begeisterten Zuspruch haben wir nicht erwartet“, beteuern beide mit einem Seitenblick auf ihren Tourmanager, „im Nachhinein ist es schade, dass wir nicht mehr Gigs in Deutschland geplant haben.“ Und morgen – Paris, das einzige Konzert in Frankreich, und das obwohl ihr aktuelles Album „TV en Français“ betitelt ist.

Aber auf Französisch wird ja nicht nur in Frankreich Fernsehen geguckt. „Wir wollten bei der Gestaltung unseres Albums eine exotische Aura evozieren, aber danach nicht außerhalb unseres Kulturkreises suchen. In Süd-Florida sind wir fündig geworden. Teil der Vereinigten Staaten, aber völlig anders, als das, was wir zuvor so kannten“, erklärt Keith Murray den Album-Titel sowie die dazugehörigen Promotion-Photos aus der „Swamp Region“.

Wenn schon nicht dezidierte Exotik, so umgibt die Band doch seither die Fama des eigenartig Verqueren, des schrägen Humors in Verbindung mit ihren sehr eigenen Persönlichkeiten. Ob sie denn „Big in Japan“ wären, dort würde ihr Band-Charisma des dezent Skurrilen doch sicher gut ankommen. „Na, groß sind wir dort noch nicht, aber wir waren schon mal, und der Zuspruch war sehr gut…“, und wieder richtet sich ihr Blick gen Tourmanager: „Hey, wir müssen unbedingt wieder in Japan touren, mach das mal klar!“

Immer einer Meinung: We Are Scientists (Stephan Wolf)

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Ob die Suche nach Exotik sich auch inhaltlich beziehungsweise musikalisch auf das neue Album ausgewirkt habe, führt zur Erörterung, inwiefern das eigene Leben zum Gegenstand des Songwritings gemacht werden sollte. „Persönlich werden, dabei aber verständlich bleiben, das ist die hohe Wissenschaft, die hohe Kunst“ lautet die Quintessenz nach mehrminütiger angeregter Diskussion. Die selbstauferlegte Beschränkung auf schmissige Drei-Minuten-Nummern engt dabei zwangsläufig die Bandbreite des sprachlichen Ausdrucks ein. „Ein Rapper verfügt natürlich über ganz andere Möglichkeiten des Ausdrucks, doch unser Ziel ist es, auch auf der Textebene jegliches Sprachklischee zu umgehen. Es gibt Bands, deren Texte den Eindruck erwecken, sie entstammten einem Sprachgenerator, dem man nur ein Thema oder eine Haltung vorgeben muss, um zu den gewünschten Ergebnissen zu gelangen“, konstatiert Keith Murry, „man gibt etwa ,Zynismus‘ ein – und schon spuckt das Programm die trefflichsten, aber leider auch völlig unpersönliche Lyrics aus.“

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