Musik der Karibik VII

Was auf Curaçao getanzt wird

Heute stellen zwar die Namenstage der Heiligen St. Johannes und St. Antonius auch die bedeutendsten musikalischen Ereignisse im Kalender der Niederländischen Karibik dar, doch haben die überwiegend katholischen Afrikastämmigen ihre eigenen Traditionen etabliert und weiterentwickelt. Geographisch ist hier die Rede vor allem von den so genannten ABC-Inseln: Aruba, Bonaire und Curaçao. Durch die holländische Westindiengesellschaft wurden bis 1730 Sklaven überwiegend aus dem Kongo und Angola auf die Inseln verschleppt. Namentlich auf Curaçao blieben die Weißen im 19. Jahrhundert eine kleine Minderheit, bevor die Befreiung um 1860 in eine politisch instabile Situation führte. Aruba wurde 1986 unabhängig.

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Kartographischer Blick auf Aruba, wegen der schwarzen Traditionen auch musikalisch einen Ausflug wert (Peter Fitzgerald, OpenStreetMap)

Kartographischer Blick auf Aruba, wegen der schwarzen Traditionen auch musikalisch einen Ausflug wert (Peter Fitzgerald, OpenStreetMap)

Leider ist von den genannten musikalischen Traditionen wenig überliefert. Die im guiné-Dialekt gesungenen Klagelieder über die Gefangenschaft, die cantinelas, wandelten sich im Laufe der Jahrhunderte zu Songs um soziale Rechte. Die Kolonialherren verboten schon früh den tambu, einen aus Spanien eingeführten Tanz, der – in seiner Urform aus dem 18. Jahrhundert – noch heute bei den Karnevalsparaden auf Curaçao eine Rolle spielt. Im “Untergrund” wurde der tambu aber weiter praktiziert und schließlich für die Feste zum Jahresende wieder zugelassen.

 Populäre Musik aus Curacao von Tipiko Dividivi liegt bei Universal vor 2005, (B000025H1Y).

Populäre Musik aus Curacao von Tipiko Dividivi liegt bei Universal vor 2005, (B000025H1Y).

Seit den 1960er Jahren setzte die Kommerzialisierung der Tanzform und der inhaltlich anekdotisch geprägten Lieder ein, weshalb heute vom tambu de placer, also vom Unterhaltungstambu gesprochen wird. Die Begleitung besteht traditionell aus kleinen Trommeln und einer mit Stock geschlagenen Rassel, dem chapi. Westliche melodische Strukturen wurden adaptiert, es wird im Wechsel zwischen dem kantadó, dem Solisten, und einem Chor gesungen. Congatrommeln, Stampfröhren und die viersaitige cuarta, eine Gitarrenform begleiten die Tänze um ein Freudenfeuer an den Heiligentagen, während Akkordeon, Mandoline, Bassgitarre, cuarta, Triangel oder Stampfröhren auf den Tanzparties üblich wurden, zu denen kurioserweise neben kreolischen Walzern, Salsa und Merengue auch Polka und Mazurka gespielt werden.

Surinam, bis 1954 unter niederländischer, zwischenzeitlich aber unter britischer Herrschaft, wurde zu einem Sammelbecken verschiedenster kultureller Einflüsse, da sich im Landesinneren maroon-Gemeinden aus entlaufenen Sklaven unterschiedlichster afrikanischer Herkunft bildeten. Verschiedene Trommelstile fanden hier Eingang. Unter den Saramaka überlebte etwa die Technik der talking drum, die in Südamerika schon verschwunden war, darüber hinaus die mit den Zeigefingern gespielte mbira.

Live "In Curacao": Monguito El Único (2005, Reyes)

Live “In Curacao”: Monguito El Único (2005, Reyes)

Die Einflüsse von Calypso und Jazz brachten insbesondere bei den maroons neue Varianten hervor. Auf 2 CDs wurden übrigens 2003 originäre Lieder der Schwarzen in Surinam beim Label Newsound (B0000AOC1F) herausgegeben, von dem auf Curaçao populären Sänger Monguito El Único mit Band ist eine Live-Aufnahme, gepresst 2005 bei Reyes, verfügbar (B002T64WUW).

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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