Musik der Karibik VIII

Kubas Klassiker

Bei allem Enthusiasmus für die Entwicklung des kubaspezifischen Son und des Salsa im 20. und 21. Jahrhundert gebührt auch der klassischen Musikszene auf der größten Karibikinsel in der romantischen Epoche und um 1900 Wertschätzung. Die nach ihrer Uraufführung erfolgreiche Oper La hija de Jefté (Jephthas Tochter, 1874) von Laureano Fuentes (1825 – 1898) etwa findet auch heute noch in ihrer späteren, posthum aufgeführten Version Celia (1917) den Weg auf die Bühnen. Außerdem ist an Robredo Manuel zu erinnern, der die Gattung der contradanza in verschiedene Musikstile überführte und der ebenso in Europa erfolgreiche Komponist Gaspar Villete.

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Álvaro Cendoya spielt populäre Stücke aus dem swingenden Repertoire von Ignacio Cervantes (Naxos B005YD11QK)

Álvaro Cendoya spielt populäre Stücke aus dem swingenden Repertoire von Ignacio Cervantes (Naxos B005YD11QK)

Als Schöpfer der kubanischen Nationalmusik gilt aber Ignacio Cervantes, dessen swingende, dem Ragtime Scott Joplins nicht unähnliche Klavierstücke gleichzeitig der romantischen Ästhetik von Chopins Kompositionen folgen. Obwohl der Kubaner am Pariser Konservatorium ein ganz traditionell europäisches Musikstudium absolviert hatte, integrierte er Guajiro-Techniken und afrokubanische Elemente in seine Kompositionen. Bei der ursprünglich ländlichen Guajiro-Musik, die wohl mit dem puertoricanischen Jíbaro verwandt ist, spielte die Tres, eine speziell auf Kuba verwendete sechssaitige Gitarre eine dominante Rolle. In Cervantes’ Nachfolge komponierten Alejandro Caturla und Amadeo Roldán.

Der aus einer kanarischen Familie stammende Pianist Ernesto Lecuona (1895 – 1963) schrieb als begnadeter Melodiker zahllose Lieder, aber auch Klaviermusik und Kantaten. Mit La Malagueña – 1927 im New Yorker Roxy Theatre aufgeführt – schuf er einen echten lateinamerikanischen Evergreen. Nach Fidel Castros Revolution 1959 setzte sich freilich eine neue Generation von Musikern durch, an ihrer Spitze der Gitarrist Leo Brouwer, der in den Techniken und im Stil ganz andere Wege ging. Er trug wesentlich zur Entstehung und Entwicklung der Nueva-Trova-Bewegung bei.

Leo Brouwer dirigiert das Orchester von Córdoba im Großen Theater der Stadt, im Hintergrund der Gitarrist Javier Riba (Defconmaki)

Leo Brouwer dirigiert das Orchester von Córdoba im Großen Theater der Stadt, im Hintergrund der Gitarrist Javier Riba (Defconmaki)

Zur Zeit fungiert Leo Brouwer als Leiter des Symphonieorchesters von Havanna. Brouwers Konzert- und Kammermusik ist dem europäischen Publikum vielleicht nicht so vertraut, daher soll hier auf eine Einspielung seines Gitarrenkonzerts Concerto elegiaco, der Tres Danzas Concertantes und des Quintetts für Gitarre und Streichquartett unter Philippe Gérard mit dem Quatuor Alfama hingewiesen werden (Fuga Libera 2007, B000PMGPTI).

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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