Meisterwerke der polnischen Musik XIII

Kammermusik “con molto espressione”

Als die Lembergerin Gabriela Moyseowicz der Uraufführung ihres ersten größeren Werks, eines Konzerts für zwei Klaviere an der Musikhochschule in Kraków miterlebte, war sie gerade 13 Jahre alt, zehn Jahre später schloss sie dort ihr Kompositionsstudium, begleitet von Theorie und Dirigieren ab. Bald schon wurde man an höherer Stelle auf die begabte, erst dreiundzwanzigjährige Pianistin und Tonkünstlerin aufmerksam, sie erhielt etliche staatliche Aufträge schon am Anfang ihrer Karriere. Seit den sechziger Jahren trat sie als Pianistin auf, vor allem, um ihre eigenen Werke dem Publikum nahezubringen.

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Eine Auswahl aus dem Klavierwerk von Gabriela Moyseowicz bietet die bei Klassik Center Kaasel (Aulos) 2006 herausgegebene CD (B000FKOX1W).

Eine Auswahl aus dem Klavierwerk von Gabriela Moyseowicz bietet die bei Klassik Center Kaasel (Aulos) 2006 herausgegebene CD (B000FKOX1W).

Wegen der als einseitig empfundenen kulturpolitischen Ausrichtung sah sich die Künstlerin 1974 gezwungen, im Sinne ihrer Arbeit nach Berlin zu gehen, denn sie hatte bereits in ihrer Magisterarbeit zur Begründung einer bestimmten, individuellen Ästhetik die Bevorzugung experimenteller Musik abgelehnt. Sie schlug damit eine kompromisslose, im Vergleich zu Anna Zawadzka-Gołosz, die ebenso in Kraków studiert hatte und bis heute dort unterrichtet, diametral andere Richtung ein.

 

 

Die überwiegend freitonal komponierten Stücke lassen zwar klassische Strukturen erkennen, formen diese aber in etwas Neuartiges um. Melodien im konventionellen Sinn sind – wie häufig bei den Tonkünstlern der Avantgarde-Bewegung – eher Fehlanzeige. Wegen seiner emotionalen Prägung lässt sich ihr Werk am ehesten als postexpressionistisch beschreiben. Immer wieder wählte sie neben klassischen Formen wie dem Klavierkonzert (hiervon liegen drei vor) oder Kantaten exotische Sujets: 1962 gab sie ihr Orientalisches Triptychon für Klavier heraus, die 3. Rhapsodie von 1989 ist Empyreum überschrieben.

In den vier bislang produzierten Aufnahmen bildet sich die große Bandbreite an Formen ab: Die  2003 erschienenen Kompositionen von Gabriela Moyseowicz enthalten neben anderem das Orchesterwerk Schattensymphonie und ein Stabat Mater für Soli, Chor und Orchester, Klavierwerke (2006), in der kammermusikalischen Anthologie Musical Firmament (2011) wirkte sie als Musikerin maßgeblich mit. Zuletzt kam die Sammlung Con molto espressione (2013) heraus, eine CD, die unter anderem ihr Trio für Klavier, Violine und Horn bietet.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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