Erstmals beide Sessions vollständig

R.E.M. auf MTV unplugged

MTV unplugged, eine Formatidee, der die Musikgeschichte erstaunliche und bedeutsame Ereignisse zu verdanken hat. 1991 und 2001 war es an R.E.M. ihren musikalischen Standort vor laufender Kamera und nicht-eingestöpselt zu bestimmen. Die Ergebnisse sind nun (ab 23. Mai) erstmals in voller Länge zu genießen. 11 der 33 Titel wurden damals nicht gesendet. Mit „Unplugged 1991/2001 – The Complete Sessions“ (Rhino/Warner) auf zwei CDs. Oder als 4er Vinyl-Set, dies allerdings zu einem sündhaft überteuerten Preis.

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Schön sieht anders aus: R.E.M. unplugged (Rhino/Warner)

Schön sieht anders aus: R.E.M. unplugged (Rhino/Warner)

Zeitlos erscheinen beide Mitschnitte, der Unterschied von 10 Jahren ist kaum zu registrieren. Während das folkloristisch gehaltene „Fall On Me“ einen Höhepunkt des früheren Konzerts darstellt, schlägt die spätere Version von „Losing My Religion“ die von einundneunzig in Sachen Ausdruck, Transparenz und melodischem Aufspielen. Aber das ist Fachsimpelei; inwiefern der Ausstieg von Bill Berry anno 1997 irgendeine Relevanz für die Einschätzung beider Konzerte besitzt, sei dahingestellt. Nur dass Michael Stipe 2001 engagierter ans Mikro tritt sei erwähnt, zehn Jahre zuvor hatte er vermutlich ein Valium zu viel intus, wer weiß?

Leider kommt die Doppel-CD ohne Linernotes daher – und es fehlen die besten Songs, die R.E.M. geschrieben haben: „Drive“, „Everybody Hurts“ und „Man On The Moon“, was bei dem Konzert von 1991 selbstverständlich ist, erschien das Über-Album „Automatic For The People“ doch erst im Jahr danach.

Mit der inzwischen gegebenen zeitlichen Distanz lässt sich konstatieren, dass die vor drei Jahren ausgelöste Band zwar jede Menge Ohrwürmer erfunden hat (die einem, wenn die Kompilation läuft, sofort wieder einfallen und zum Mitsingen animieren), dass diese heute jedoch eine neuroleptisch gediegen veranlagte Patina angesetzt haben. Andererseits wirken R.E.M. allein aufgrund ihrer sagenhaften Charts-Erfolge bis heute nach: In Form von tausenden Songwritern, die daran scheitern, das kompositorische Niveau der Band aus Georgia zu erlangen. RIP R.E.M. (und in gewisser Weise auch: MTV).

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