Ist das noch Schlager?

Roland Kaiser mit Seelenbahnen unter der Lupe

Lange sehnsüchtig erwartet, jetzt ist es da: das neue Album von Roland Kaiser, „Seelenbahnen“  (Ariola / Sony Music). Und Sehnsucht als Lebenselixier ist zum Thema dieser Veröffentlichung geworden. Einer Veröffentlichung, die bei aller Verehrung des legendär verdienten Roland Kaiser in dieser Form kaum einer auf der Rechnung gehabt haben dürfte. Großartige Arrangements mit kitschfreien Lyrics, die sich natürlich nur um das Eine drehen. Wunderbar!

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Roland ist ... Kaiser! (Ariola/Sony Music)

Roland ist … Kaiser! (Ariola/Sony Music)

Zuzugeben, dass „Seelenbahnen“ ins Herz trifft, das lässt tief blicken. Aber so unverhohlen wie Roland Kaiser auf seinem neuen Album zu Werke geht, lässt es kein liebessüchtiges Auge trocken. Bleiben wir also sachlich: Auf fünfzehn Songs kommt kein einziger Ausfall, Ausschussware Fehlanzeige. Roland Kaiser hat mit seinem Team jenes durchgängig ansprechende Werk erschaffen, das ihm schon immer vergönnt gewesen ist.

Neben den auf den Punkt gebrachten Arrangements, die zwischen Grandezza und Zurückhaltung immer genau die richtige Mischung anrühren, besticht Roland Kaiser mit der ihm eigenen leichten Distanz im Gesangsvortrag. Das Jaulen, Klammern und Kneifen ist sein Ding nicht. Sein Vortrag bleibt, bei aller emotionalen Dichte, souverän und überlegt. Sehr gelungen, stellvertretend sei das Duett mit Maite Kelly, „Warum hast du nicht nein gesagt“ hervorgehoben, das auf jegliche gestische Übertreibung verzichtend dringende Gefühlswelten unter Erwachsenen exakt beschreibt.

Und ja, die „Seelenbahnen“ sind von einer Melancholie durchzogen, die sogar vor den gebotenen Uptempo-Nummern („Liebe verlernt man nicht“ etwa) keinen Halt macht. Und erst recht nicht vor dem im Vorfeld der Veröffentlichung viel diskutierten Titel, der aus der Feder von Till Lindemann (Rammstein) stammt: „Ich weiß alles“: „Ich weiß, dass du weißt, dass ich alles von dir weiß“. Dieser Titel ist zu einem Highlight geraten, der nach „Ich fege die Sterne zusammen“ als vermutlich zweite Auskopplung sicher auch ordentlich Airplay erlangen wird.

Roland Kaiser hat weder gekleckert noch geklotzt. Er hat einfach nur das Album gemacht, das ihm gerecht wird. Die „Sieben Fässer Wein“ lassen sich beim Genuss dieser Scheibe sicher locker leeren. Aber es bedarf keinen Rebensaft, um „Seelenbahnen“ genießen zu können. Ganz große (Schlager-) Kunst? Eher die Schnittmenge aus Rammstein (Intensität) und Reinhard Mey (im Liebestaumel). Wer nicht hören will, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Keine Lupe vonnöten, lieben Dank werter Roland!

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