WGT Nachlese - Teil Zwei

Eine Stadt wird zur Bühne

Nach den bescheidenen und ausschließlich auf private Initiative hin betriebenen Anfängen des WGT vor über 20 Jahren hat sich Leipzig längst als Welthauptstadt der schwarzen Szenen etabliert. Was sich viele, die noch nicht dabei gewesen sind, nach wie vor nicht vorstellen können: Statt wie auf (populärmusikalischen) Festivals üblich auf einen zentralen Ort beschränkt, durchzieht das WGT vier Tage und Nächte lang das gesamte Stadtbild der sächsischen Metropole und lässt dabei kaum eine Venue ungenutzt. Wodurch sich en passant auch die zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Stadt an der Aufmerksamkeit der „schwarzen Gemeinde“ erfreuen dürfen.

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Moderne Zeiten: Altes Rathaus zu Leipzig (Stephan Wolf)

Moderne Zeiten: Altes Rathaus zu Leipzig (Stephan Wolf)

Das Leipziger Kulturamt scheint das Potenzial der Gäste zum WGT verinnerlicht zu haben. Das Stadtfest zeitgleich zu legen, darf als cleverer Zug gewertet werden. Schließlich kann sich kaum jemand dem Reiz eines Bummels durch die historische Innenstadt  verwehren. Womit nicht zuletzt auch die ansässige Gastronomie von der Doppelung der Events profitiert. Auch wenn sich deren Crew, ganz anders als die Festivalteilnehmer, über einen gewissen Mangel an musikalischer Abwechslung nur beklagen kann. „Dieser Typ, angeblich ein Sprössling der Kelly Family“, spielt eine Kellnerin am Naschmarkt auf einen Straßenmusikanten an, der auf der Petersstraße Position bezogen hat, „spielt nun schon seit Tagen exakt sechs Lieder immer wieder hintereinander“, mischt sich ein gelinde gequältes Lächeln in ihre Klage.

Das „schwarze Volk“ hat es da eindeutig besser. Von den architektonischen Besonderheiten des Alten Rathauses fasziniert, wird selbstverständlich auch mal in Auerbachs Keller gelugt, wo einst Wein aus den Tischen gemolken wurde, was im Selbstversuch trotz aller (kolportierten) mephistophelischen  Affinität nicht gelingen will. Danach Richtung Thomaskirche und Neuem Rathaus oder Richtung Augustusplatz, am „aufgeschlagenen Buch“ (Uni-Hochhaus) und dem Neuen Gewandhaus vorbei, wieder hinein ins Festival-Vergnügen, das sich jedoch vielfach auch direkt an und in stadtgeschichtlich relevanten Orten abspielt.

Krypta, Völkerschlachtdenkmal (Stephan Wolf)

Krypta, Völkerschlachtdenkmal (Stephan Wolf)

So finden Events des WGT sowohl im Schauspielhaus (durchgängig) oder auch in der Oper statt (für dortige Veranstaltungen liegen zumindest gut bemessene Kontingente für WGT-Besucher bereit). Natürlich darf auch das „Schönste von allen“ (Selbsteinschätzung des Stadtgeschichtlichen Museums), das Völkerschlachtdenkmal, im Reigen der vom WGT okkupierten baulichen Leipziger Highlights nicht fehlen. In Krypta und Ruhmeshalle stand dieses Jahr unter anderem die Edda („Ein Mythos im Klang“) auf dem Programm; in früheren Jahren gab es an dieser atemberaubenden Stätte aber auch zahlreiche unvergessliche Neo-Folk Ereignisse zu bestaunen.

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