Konstrukt und Distortion: Diamond Version

Corporate Identity auf dem Prüfstand

Olaf Bender und Carsten Nicolai haben unlängst als Diamond Version ein Album in die Umlaufbahn geschossen, dessen Sog aus Eiseskälte und Klarsichtwabern unweigerlich Spuren hinterlässt. „CI“ lautet das überraschend geschmeidig ausgefallene Teil (Mute/Goodtogo) der beiden Gründer des Labels „Raster Noton – Archiv für Ton & Nichtton“. „CI“ lanciert Stafetten der Immunisierung gegenüber den sinnentleerten Reizen des Konsumterrors und setzt der Corporate Identity ein Corporate Sounddesign entgegen, das mit hehrer „Handlungsschnelligkeit“ (O. Kahn) aufzutrumpfen weiß.

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Corporate Design as Corporate Identity (Mute)

Corporate Design as Corporate Identity (Mute)

Olaf Bender und Carsten Nicolai sind bekannt für ihre gestrengen Klangkonstrukte, die bewusst in Kauf nehmen, dass unbedarfte Hörer schnell die Frage in den leeren Raum werfen lassen, ob es sich dabei noch um Musik handele. Als Diamond Version überraschen die beiden Künstler indes mit eingängiger Diktion bei stets leichterhand nachvollziehbaren Strukturen. Dabei erinnern sie u. a. an die legendären Greater Than One, man höre mal in „Science For A Better Life“ oder „Connecting People“ hinein und vergleiche.

Bei einem nervös finsteren Track wie „Feel The Freedom“ drängt sich zudem ein Vergleich mit den italienischen Dark Wave-Elektronikern von Kirlian Camera auf, zumindest was deren experimentelle Arbeiten (“Solaris”) betrifft.

Angesichts des vorliegenden Albums wird endgültig nachvollziehbar, warum Diamond Version bereits mehrfach für Depeche Mode eröffnet haben. Olaf Bender und Carsten Nicolai erscheinen als Kosinus zum Electro-Soul von Martin Gore und Co. Das elektrisch Artifizielle ist nur der gemeinsame Ausgangspunkt, das erklärte Ziel, beseelte Track-Kunst, wird von DM und DV auf phasenverschobenen Wegen sicher erreicht.

Diffus konkret: Diamond Version (Diamond Version/Mute)

Diffus konkret: Diamond Version (Diamond Version/Mute)

Sicher haben auch die Gastbeiträge von Neil Tennant (Pet Shop Boys), Leslie Winer („WITCH“) und der japanischen Klangforscherin Kyoka mit zur Eingängigkeit beigetragen. Allein diese immens reizvolle Trias verweist auf den jederzeit anspruchsvoll ansprechenden Gehalt von „CI“. Ein grandioses Album, gegen das sich Artverwandtes nur schwer wird durchsetzen können.

Diamond Version sind ständig kreuz und qu(e)er durch Europa und anderswo unterwegs, sobald es Termine auf deutschsprachigem Terrain zu vermelden gibt, werden sie auch hier verlautbart. Denn die audio-visuelle Aufbereitung des an sich schon hochgradig erregenden Materials ist sämtlicher Meriten wert.

„Were you there“, feat. Neil Tennant:
soundcloud.com/muterecords/diamond-version-were-you-there/

Remix von Carter Tutti:
bit.ly/1vxyY2L

Diamond Version live, Sonar Festival:
youtu.be/bpRq_EKxoOQ

diamondversion.info
twitter.com/Diamond_Version

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