The Pains Of Being Pure At Heart - live

“Ob das jetzt Kunst ist, na, und wenn schon.”

Kip Berman, Dreh- und Angelpunkt der Pains Of Being Pure At Heart, hat die Ruhe weg. Spät, aber nicht zu spät im Kölner Luxor aufgeschlagen, trägt er in geradezu redseliger Manier dazu bei, die enigmatische Fama seiner Band auf den Boden der Tatsachen zu stellen. Um kurz danach an der Seite seiner Leidensgenossen ein prima Konzert hinzulegen, das Nachhaltigkeit im Schilde führt.

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Kip Berman reflektiert sein Tun (Stephan Wolf)

Kip Berman reflektiert sein Tun (Stephan Wolf)

amusio: „Vor zwei Jahren wart Ihr schon einmal hier im Luxor, damals mit dem Album ‚Belong‘ im Gepäck. Ich erinnere mich an haufenweise weibliche Teenies und kreischende Erstsemester. Diesmal scheinen andere Voraussetzungen gegeben zu sein, schuld daran dürfte das Material Eures aktuellen Albums ‚Days Of Abandon‘ haben.“

Kip Berman: „Na ja, wir werden ja alle älter. Aber ich denke nicht, dass sich das neue Material so sehr von dem vorherigen unterscheidet. Wir machen nach wie vor dreiminütige Popsongs, die thematisch an ein adoleszentes Lebensgefühl anknüpfen. Aber anders als designierte Pop- und Teenie-Bands oder Twee-Bands wie ‚One Republic‘ nehmen wir uns die Freiheit, im Detail zu experimentieren.“

amusio: „Und dabei schwingt bei Euch stets die Fama des bewusst Artifiziellen, des Kiunstanspruchs mit.“

Kip Berman: „Mag sein, wir kommen halt aus New York City, und wer dort nicht einen auf kunstbeflissen macht, kann sich kaum Gehör verschaffen (lacht). Sicher arbeiten wir gerne mit jungen Videokünstlern oder Grafikern zusammen und wir transportieren ein Lebensgefühl, das sich zwischen Intellekt und Herz nicht entscheiden kann oder will. Aber ich möchte den Aspekt, Kunst zu erschaffen nicht zu hoch hängen. Ob das jetzt Kunst ist, na, und wenn schon.“

amusio: „Großartige Dreiminüter zu schreiben, oder auch mal ein sechsminütiges Epos wie auf dem aktuellen Album, das ist doch auch Kunst, oder?“

Kip Berman: „Na denn, dann bin ich eben ein, sind wir – Künstler.“ (lacht)

amusio: „Künstler, die auf globales Interesse stoßen.“

Kip Berman: „Ja, das ist, unter uns, der Hauptgrund für mein Interesse an der Band und an den Songs, die ich schreibe. Ich wollte schon immer viel reisen. Doch bevor ich mit der Band begonnen habe, bin ich gerade mal bis nach Kanada gelangt (lacht). Inzwischen touren wir weltweit – und wir genießen das. Es erfüllen sich Träume, zwicke mich doch mal, damit ich aufwache. (lacht) Zuletzt haben wir in Indonesien gespielt, Indonesien, stell dir das mal vor. Und es war großartig dort, man glaubt es kaum.“

Kreisch! Kip Berman (Stephan Wolf)

Kreisch! Kip Berman (Stephan Wolf)

amusio: „Besonders beliebt scheint ihr auch in Japan zu sein. Die japanische Jugend mag ja das leicht verschroben Eigenständige in besonderer Weise, nicht wahr?“

Kip Berman: „Nicht nur die Jugend, wie ich dir versichern kann. Wir spielen bald wieder in Nippon, auf einem großen Festival, gemeinsam mit so fantastischen Band wie zum Beispiel Slowdive.“

amusio: „Slowdive! Na, da habt ihr aber die richtigen Mitspieler erwischt. Die sind absolute Spitzenklasse, wie ich jüngst auf dem WGT feststellen konnte.“

Kip Berman: „Da wären auch wir gerne dabei gewesen. Sind die wirklich so gut? Ich bekomme Angst (lacht). Aber tatsächlich haben uns Slowdive beeinflusst. Wie so viele andere Bands aus dem Shoegaze-Umfeld. So auch The Smiths oder New Order. Aber anstatt auszuufern, ging es mir stets um die Reduzierung auf die poppigen Dreiminüter. Reduzierung ist in diesem Zusammenhang auch nicht das richtige Wort. Sagen wir lieber Konzentration.“

amusio: „Und das mit stets originellen, lebensnahen Texten versehen.“

Kip Berman: „Danke für die Blumen, sie stammen alle von mir. Ich lege es halt darauf an, sowohl schmachtende Teenie-Herzen als auch generelle Lebenserfahrungen anzusprechen. Ich denke, dass die Jugend den Rest des Lebens, zumindest auf emotionaler Ebene, prägt. Und Emotionen sind sicher stichhaltiger, gehaltvoller und schlicht wahrer als Karrieren oder Kontostände. Apropos, hat dir unser Basser schon das Geld für die CD-Rohlinge gegeben, die er frisch bespielt als Dokument seines Openers als ‚Ablebody’ gleich feilbieten möchte und die du noch schnell besorgt hast?“

amusio: „Hat er. Und dann kommen ja auch noch ‚Fear Of Men‘.“

Kip Berman: „Ja, das ist quasi unsere Damenabteilung. Wenn man schon die Gelegenheit hat, sollte man jedes Konzert als Chance für ein kleines Festival begreifen. Zwei Vorbands, ja warum denn nicht? Das Beste kommt ohnehin immer zum Schluss.“ (lacht)

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