Musik der Karibik XI

Von kubanischen Plantagen: Komplexes Rankenwerk für die Akustikgitarre

Leo Brouwers Aussage Die Struktur ist ein grundlegendes Element meiner Arbeit steht  in scheinbarem Widerspruch zu seinem eher intuitiven Kompositionsstil, der vor allem anderen von Klangerlebnissen ausgeht. Das bedeutet aber nichts anderes, als dass der ehemalige Sologitarrist aus Havanna seinen Werken trotz der großen künstlerischen Freiheit, die er zu nutzen verstand, ganz bewusst eine stimmige Form gab – auch wenn diese nicht immer leicht zu durchschauen ist. Er war eine der wichtigen Triebfedern für die Avantgarde in Mittelamerika und besonders in seiner Heimat Kuba.

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Einige der hochkomplexen Solostücke für Gitarre von leo Brouwer erwarten die Hörer auf El arpa del guerrero (2009).

Einige der hochkomplexen Solostücke für Gitarre von Leo Brouwer erwarten die Hörer auf El arpa del guerrero (2009).

Brouwer studierte in New York in den Jahren vor der Kuba-Krise Komposition an der Juilliard School, danach Gitarre an der Hartford University School im amerikanischen Bundesstaat Connecticut. Neben seinen Auftritten als Sologitarrist baute er sich eine Karriere als Dirigent auf, nachdem er bereits seit 1960 das Studio für Experimentalmusik in Havanna geleitet hatte. In den 1980er Jahren fungierte er als Generaldirektor des kubanischen Nationalen Symphonieorchesters und gründete 1992 das Orchester von Cordoba in Spanien, dem er bis 2001 als Dirigent vorstand.

Neben der elektroakustischen Musik in früheren Jahren galt seine Aufmerksamkeit als Tonkünstler naturgemäß immer wieder dem eigenen Instrument: Von den zahlreichen Solostücken abgesehen schrieb er 1980 El animador, ein Ballett für Gitarre und Orchester, 1995 ein Doppelkonzert für Violine, Gitarre und Orchester als Hommage an Paganini, ein Quintett für Gitarre und Streichquartett, vier Gitarrenquartette, darunter Canciones remotas und eine rare, atmosphärisch unbestimmte Komposition für Gitarrenorchester Acerca del cielo, el aire y la sonrisa (Nahe dem Himmel, der Luft und dem Lächeln, 1979), außerdem ganze 11 Konzerte für die Gitarre.

Leo Brouwer 1998 in Havanna (Mario Link, Georg Erlich)

Leo Brouwer 1998 in Havanna (Mario Link, Georg Erlich)

Von der Tatsache abgesehen, dass Brouwer auch als Perkussionist hervortritt, verblüfft die große Zahl seiner Filmmusikbeiträge, darunter Como agua para chocolate (1992), Mátame mucho (1998) und La persistencia de la memoria (2004). Er erhielt – obwohl avantgardistische Musik genau genommen weltweit heute ein Nischendasein fristet - Auszeichnungen wie kein anderer Komponist Mittel- und Lateinamerikas und errang schon 1980 international Beachtung. Leider ist auf Tonträgern oder im MP3-Format längst nicht jede seiner Kompositionen greifbar. Aus dem dennoch umfangreichen Aufnahmerepertoire sei hier lediglich eine Sammlung der Solostücke für Gitarre mit Giovanni Caruso (El arpa del guerrero, 2009, B001V7SGA2) genannt und eine finnische Einspielung seines 5. Gitarrenkonzerts “Helsinki” in Verbindung mit der Iberia Suite und die akustische Beatles-Laudatio From Yesterday to Penny Lane (Ondine 2001, B000062TDB).

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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