Von Melodien, die nicht aus dem Kopf gehen

Wer komponierte die Filmmusik zur Flipper-Serie?

Der hier gesuchte Tonsetzer wuchs in einer musikgebeisterten jüdischen Familie in derjenigen polnischen Metropole auf, deren Namen sie selbst trug. Von der dortigen Akademie wechselte er zum Konservatorium, das ihn 1925 mit Examen freigab. Er wirkte von da an zunächst als Solist und Dirigent in verschiedenen großstädtischen Musicaltheatern und Cabarets. Zur Filmmusik mochte er eher durch den Jazz gekommen sein, der ihn faszinierte. Daraus entstand 1930 seine Musik zu dem Streifen Nach Sibirien (Na Sybir) – einem der ersten Tonfilme weltweit.

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Flipper - der Freund aller Kinder: Die Filmmusik komponierte 1963 H.W. (PD-PRE 1978 NBC Television)

Flipper – der Freund aller Kinder: Die Filmmusik komponierte 1963 H.W. (PD-PRE 1978 NBC Television)

Vielleicht hatte der angehende Komponist dieses Métier nicht freiwillig gewählt, es folgten aber bis 1939 stattliche weitere 50 Vertonungen für das Kino. Weil er wegen seiner militärischen Vorausbildung im Zweiten Weltkrieg von der polnischen Armee eingezogen wurde, geriet er auch in deutsche Kriegsgesfangenschaft, aus der er sich aber befreien konnte. Es gelang ihm sich in Lemberg niederzulassen, wo er die Formation Tea Jazz gründete.

Ende 1941 trat er mit allen Musikern seiner Band der Anders-Armee bei und konnte erst 1943 wieder aus Russland in den Westen gelang. Nach seiner Emigration im Anschluss an das Kriegsende in die USA anglisierte er seinen Namen, musste in den kommenden Jahren aber in Armut leben. Erst 1951 konnte er wieder Filmmusik schreiben, wobei die vokalen Parts häufig von Größen wie Bing Crosby, Doris Day oder Dinah Shore interpretiert wurden.

H.W,. der Urheber der Flipper-Filmmusik, der unzähligen Kindern damit Freude bereitete - hier vom Kriegsende gezeichnet (1944, op unknown, p.d.)

Urheber der Flipper-Filmmusik, der unzähligen Kindern damit Freude bereitete – vom Krieg gezeichnet (1944, op unknown, p.d.)

Ein weiterer Durchbruch gelang ihm schließlich mit der allseits und über Generationen hinweg als Ohrwurm bekannten heiteren und gefühlvollen Musik zur Filmserie um den hilfreichen Delphin Flipper (1963), die noch vor derjenigen von Daktari (1966) seinen nachhaltigen Erfolg auf dem internationalen Parkett begründete. Von ihm stammt im übrigen auch die völlig gegensätzliche Filmmusik zu Schindler’s List (1993). Seine große Begabung, aus der er seine Karriere letztlich geschmiedet hatte, war aber das (populäre) Lied, das auf seiner Jazzbegeisterung beruhte. Eines seiner bekanntesten Lieder aus der Vorkriegszeit, Umówiłem Się z Nią na Dziewiątą, fand somit auch Eingang in Roman Polanskis Film Der Pianist (2002). Wie hieß der Gemeinte?

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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