Pfade durch die Musiklandschaft Australien I

Brett Dean mit der Bratsche: Zurück auf dem fünften Kontinent

Für sein eigenes Instrument, die Viola, schrieb er vor allem Kammermusik, seltsamerweise aber erst ein Konzert, in dem die Bratsche als Solistin vor dem Klangkörper eines Orchesters zu erleben ist und das er selbst mit dem Sydney Symphony Orchestra einspielte: Brett Dean, Jahrgang 1961, stammt aus der Metropole Brisbane und tritt in der Öffentlichkeit mit Vorliebe in Begleitung seines Bruders, des namhaften Klarinettisten Paul Dean auf. Wie mancher andere bedeutende Komponist – man denke an seinen noch im 19. Jahrhundert verwurzelten Landsmann Percy Grainger – ist er mit einer Malerin, Heather Betts, verheiratet. Einem Ensemble aus 12 Bratschen, wohl in Anlehnung an die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker, jenem Orchester, dem er selbst vierzehn Jahre angehörte, widmete Dean seine Komposition Testament (2002).

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Brisbane ist die australische Heimatstadt des Komponisten und Bratschisten Brett Dean (Lacrimosus).

Brisbane ist die australische Heimatstadt des Komponisten und Bratschisten Brett Dean (Lacrimosus).

Seine Ideen bezieht Dean teils aus dem künstlerischen Schaffen seiner Frau, er lässt sich häufig aber auch von Belletristik und Zeitthemen programmatisch inspirieren. In Water Music für Saxophonquartett und Orchester (2004) nach Pastoral Symphony (2000) beschwört er die Umweltzerstörung als akutes gesellschaftliches Problem, mit Parteitag (2004/05) für Orchestergruppen und Video wird ein historisch-politisches Thema seiner vorübergehenden Heimat Deutschland unter die Lupe genommen. Bis heute bekannt ist sein Werk allerdings durch Carlo, eine kritische Hommage an seinen wegen eines Doppelmords berüchtigten Renaissancekollegen Carlo Gesualdo, instrumentiert für Streicher, Sampler und Tonband von 1997. Außerordentlich produktiv im Hinblick auf das Aufgreifen verschiedener Genres und Inspirationen wurde er aber erst nach seiner Rückkehr aus Berlin kurz vor der Wende zum 21. Jahrhundert.

Mit der Sydney Symphony unter Simone Young und Hugh Wolff spielte Brett Dean sein Viola-Konzert ein (2008, pid, B001A4MNH8).

Mit der Sydney Symphony unter Simone Young und Hugh Wolff spielte Brett Dean sein Viola-Konzert ein (2008, pid, B001A4MNH8).

So entstand 2005 das von Religiosität geprägte Prayer für Klavier mit Sprechtext, in Three Caprichos after Goya (2003) schreibt er der Sologitarre spanisch geprägte, in Musik gesetzte Bildvisionen ein, in Polysomnographie (2007) stellt er ein Bläserquintett mit dem Klavier auf die Bühne, damit verwandt ist seine Dream Sequence (2008) für ein Ensemble aus ganz verschiedenen Instrumenten. Dass Dean gerne das traditionelle Instrumentarium mit alternativen Spieltechniken verfremdete und bereicherte, verhinderte nicht, dass er sich 2009 einer so konventionellen Form wie dem Streichquintett zuwandte. Charakteristisch für seinen musikalischen Satz sind bewegte Klangflächen, die aus unterschiedlich rhythmisierten Einzelstimmen gebaut werden, wobei oft Extreme tangiert werden, vom nur wie ein Hauch wahrzunehmenden Pianissimo bis zum brachialen Fortissimo. Deans Oper Bliss (2010) wurde von Simone Young für eine Aufführung an der Hamburgischen Staatsoper übernommen, nachdem das Musikdrama 2010 im Sydney Opera House gegeben worden war.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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