Pfade durch die Musiklandschaft Australien II

Die vergessene Gitarre zum Leben erweckt

Während des Adelaide Festivals im Jahr 1990 gelangte Phillip Houghtons bis heute über Australien hinaus beliebte wenngleich unspektakuläre, griechisch inspirierte “Suite” Stélé durch den Gitarristen John Williams zur Uraufführung. Ursprünglich hatte der malende Anhänger von Jazz-, Folk- und Rockklängen keinerlei Ambitionen, sich einem Instrument klassischer Herkunft zu widmen, im Gegenteil: Als Kind traf er mit einem Ball die Gitarre, die er zu seinem 9. Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Einige Jahre später sehen wir ihn, wie er das in der Garage in Vergessenheit geratene Instrument mit einer Angelschnur repariert. Nicht lange nachdem er Jimi Hendrix gehört hatte, begann er sich auch für Williams’ und Julian Breams Spiel zu interessieren.

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Die Town Hall in Melbourne, Phillip Houghtons Geburts- und Studienort (Mandy Hall, 2008)

Die Town Hall in Melbourne, Phillip Houghtons Geburts- und Studienort (Mandy Hall, 2008)

Was so angefangen hatte, zeitigte bis heute eine Karriere gerade im zeitgenössischen klassisch basierten Engagement, nämlich als Meisterklassendozent und Lehrer an verschiedenen australischen Hochschulen. Dass Houghton Gitarre bei Sebastian Jorgensen in der Künstlerkolonie Montsalvat studierte und mehr als nur Ermunterung durch den ehemals größten australischen Pianisten John Champ erfuhr, hinderte ihn nicht daran, sich im Fach Komposition selbst zu bilden. Möglicherweise erweckten seine Stücke gerade darum Aha-Effekte, weil sie sich keiner Schule zuschreiben ließen. In Folge schrieb er  für Theater, Tanz und Bühne, wobei die frühere Anhänglichkeit an populäre Musik immer wieder hörbar reflektiert, allerdings nicht kopiert wird.

Das La Barre Guitar Duett spielt Werke von Phillip Houghton (Slovart, ASIN: B00AK9QEQU).

Das La Barre Guitar Duett spielt Werke von Phillip Houghton (Slovart, ASIN: B00AK9QEQU).

Houghtons Stücke für die 1995 mit dem Gitarristenduo Peter Constant und Marion Schaap aufgenommene CD Light on the Edge machten Furore und brachten dem aus Melbourne stammenden Komponisten den ABC-Preis für die Aufnahme des Jahres 1997 ein. Aleksandr Tsiboulski spielte vor kurzem Stélé in Kanada ein, das La Barre Guitar Duo nahm unter anderem Duette des Australiers, der auch für Einflüsse aus Ambient und Weltmusik offen ist, auf, nachdem bereits Altmeister John Williams einige seiner Stücke auf Tonträger gemeißelt hatte. Bei dieser Art von Gitarrenmusik kracht und raucht es zwar nicht, bildhaft fassbare Atmosphäre und ein Drive, der manchmal sogar an Bachs Präludien denken lässt, verleihen ihr ein besonderes Prädikat.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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