Red City Noise (Interview)

„Wir sind lieber effektiv als puristisch“

Gitarrist Ed verspätet sich. Lyon steht ganz im Zeichen des traditionellen Lichterfests, die Straßen der Innerstadt sind bereits zur Mittagszeit komplett verstopft. Schade, dass ein solches Event kaum geeignet erscheint, um dem aktuell überzeugendsten Vertreter des französischen No-Wave-Undergrounds ein Forum zu bieten. Dabei haben Ed, Dorian und Alex als Red City Noise jüngst mit „Black Lodge“ (Atypeek) einen energiegeladenen Krachbrocken vorgelegt, mit dem sich so manch trübe Lampe zum Erglühen bringen ließe.

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Lärm stiftet Sinn und Ordnung: Red City Noise (redcitynoise.free.fr)

Lärm stiftet Sinn und Ordnung: Red City Noise (redcitynoise.free.fr)

„Nein“, erklärt die Band unisono, „Lyon ist tatsächlich kein besonders gutes Pflaster für eine Band wie ,Red City Noise‘. Obwohl es sich um die zweitgrößte Stadt Frankreichs handelt, gibt es hier gerade mal zwei Clubs, die für uns als Spielstätte infrage kommen.“ „Zum Glück“, führt Dorian weiter aus, „existieren in Frankreich zahlreiche lokale Szenen, wie etwa in Montpellier, Nantes oder Toulouse, wo wir anerkannte und gern gesehene Gäste sind.“ Immerhin, es gibt sie also doch, die französische Alternativ-Szene außerhalb der Landeshauptstadt, wenn auch nur vereinzelt und nur lose miteinander vernetzt.

Auch im Ausland tun sich französische Bands schwer, selbst wenn sie sich, wie Red City Noise, der englischen Sprache bedienen. Phänomene wie Noir Desir, Phoenix, Air oder Daft Punk bilden rare Ausnahmen. Auch im Nachbarland auf der anderen Rheinseite gilt eine französische Herkunft kaum aufmerksamkeitsstiftend. Tja, die Zeiten von Charles Aznavour oder Gilbert Bécaud, die auch das deutsche Publikum zu begeistern verstanden, sind lange passé. Versuche der Re-Popularisierung (wie etwa die „Le Pop“- Reihe) bleiben Minderheitenprogramm.

"Psychodirtychaos" auf Platte: Red City Noise - "Black Lodge" (Atypeek)

“Psychodirtychaos” auf Platte: Red City Noise – “Black Lodge” (Atypeek)

Doch kehren wir den Spieß mal um und fragen, wie es mit dem Kenntnisstand der deutschen Underground-Szene bei Red City Noise ausschaut. „Neben Bands wie Rammstein, die sicher kein Underground sind“, gibt Alex etwas kleinlaut zu, „fallen mir da ad hoc auch nicht allzu viele Namen ein.“ „Zumindest wissen wir“, fügt Dorian hinzu, „dass in Deutschland die Elektro-Szene viel ausgeprägter ist als bei uns. Und dass mit Alec Empire, Atari Teenage Riot, einer unserer wichtigsten Einflüsse aus Deutschland stammt.“ Womit wir beim Thema der stilistischen Verortung des Trios angelangt wären.

Offiziell machen krude Kombinationen die Runde, so etwa „Digital No Wave“. Doch was ist an den analog angefütterten Gitarrenmassakern von „Black Lodge“, s’il vout plaît, digital? „Ach, damit spielen wir auf unser eng mit der Band verwobenes Faible fürs Gaming an, erst in zweiter Instanz auf den Umstand, dass wir unsere Musik nun einmal digital aufzeichnen“, erläutert Dorian.

Tatsächlich kann sich der geneigte Interessent anhand eines von Dorian und einem Kollegen namens Trevor Reveur innerhalb von 48 Stunden entstandenen Spiels namens „No Wave“ hinsichtlich der maßgeblichen geistigen Väter der Band orientieren.

Dort ist es die Aufgabe des Charakters Jim, sich unbeschadet durch den New Yorker No Wave Underground der mittleren achtziger Jahre zu lavieren, wo an jeder Ecke Bands wie die Swans, Birthday Party, Foetus, Sonic Youth oder auch eine Lydia Lunch aufspielen.

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