Norah Jones’ Stilbruch

Mit „Little Broken Hearts“, ihrem im Frühjahr 2012 erschienen achten Studioalbum, hat Norah Jones eine ganze Menge ihrer alten Fans enttäuscht. Die Abkehr vom locker-jazzig-souligem „Cappuccino-Sound“ früherer Alben war dann doch zu abrupt.

Ein Stilbruch, der personifiziert wird in Produzent Danger Mouse, mit dem die Tochter von Ravi Shankar (1920-2012) für dieses Album das erste Mal zusammengearbeitet hat.

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Herausgekommen ist eine Platte, die zwar geizt mit eingängigen Melodien, Rythmen und Beats, dafür aber den Hörer mit der Zeit immer tiefer in ihre ganz eigene musikalische Logik zieht, die sich vielleicht mit düsterer Mystik am ehesten beschreiben ließe.

Cover “Little Broken Hearts”. Quelle: EMI

Es gibt einzelne Stücke auf diesem 45-Minuten-Album, die etwas aus diesem Konzept fallen und sich dem Düsteren ein klein wenig entziehen. Als erstes wäre zu nennen das vierte Stück auf dem Album: „She’s 22“. Eine langsame und bedächtige Ballade, gefällig anzuhören. Sodann Song Nummer acht, „Travelin’ On“.

Auf diesem sparsam instrumentalisierten Stück, ist Norah Jones’ Stimme merklich weniger verzerrt als bei den vorangehenden; dies mag versöhnlich sein für alte Norah-Jones-Fans. Nun geht es Schlag auf Schlag: Song Nummer neun, „Out On The Road“, hebt sich mit brillantem Gesang und deutlichen Anklängen an die Country-Musik ab. Vielleicht eine Reminiszenz an Jones’ texanische Kindheit? Die 1979 in Brooklyn geborene Sängerin war im Alter von vier Jahren mit ihrer Mutter nach Grapevine, einem Vorort von Dallas, gezogen. Erst 1999 kehrte sie New York zurück.

In Song Nummer zehn kulminiert die eingängig-melodiöse Phase dieses Albums: „Happy Pills“ überrascht mit einem eingängigen Beat und präsentiert sich im vergleich zum Rest des Albums fast schon rock-poppig. Die beiden Schlussstücke allerdings, „Miriam“ und „All A Dream“, kehren wieder zur ersten Hälfte des Albums zurück und versuchen sich umso stärker in mystischer Düsternis. So gesehen ist Jones ein abwechslungsreiches Album gelungen, etwas, das wohl die wenigsten Hörer bei den Stücken eins bis drei und fünf bis sechs für möglich gehalten hätten.

Dennoch ist diese Platte nichts für Leute, die einfach gefälligen Jazz oder Soul zu einer schönen Tasse Cappuccino hören möchten. Norah Jones verlangt ihren Hörern hier mehr ab.

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Über Frank Behrens

Frank Behrens arbeitet als freier Journalist in der Nähe von Hamburg. Noten kann er keine lesen, aber Musik hören. Am liebsten Rock und Blues.

Eine Antwort auf Norah Jones’ Stilbruch

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