Interview & Live-Review

Press Enter Shikari

In der ausverkauften Live Music Hall (Köln) gelingt es Enter Shikari mit ihren extrem diversifizierten Sounds in nahezu beliebig anmutendem Wechsel und einer durchweg blendenden Lightshow ihr Publikum zur Verausgabung zu zwingen. Zu Beginn frenetisch bejubelt und im Verlauf aufopferungsvoll abgefeiert, senkt sich direkt im Anschluss an den Gig eine eigenartige Stille auf die durchgeschwitzten Leiber. Genug ist genug. Ein untypisches Ende einer typischen Rockshow einer untypischen Band, die noch beim Interview Stunden zuvor den Eindruck erweckt, kein Wässerchen trüben zu können.

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Rou Reynolds hält kurz einmal inne (Stephan Wolf)

Rou Reynolds hält kurz einmal inne (Stephan Wolf)

„Die Loyalität unserer Fans geht über das übliche Maß hinaus“, bekräftigt Rampensau Rou Reynolds am späten Nachmittag, „sicher muten wir ihnen mit unserem Stil-Mix einiges zu, doch größtenteils ziehen sie mit. Wir müssen uns zwar auch damit abfinden, mit jedem Album einige Fans zu verlieren, doch davon sind nicht wenige auf kurz oder lang doch wieder auf unserer Seite.“ Bassist Chris Batten ergänzt diese Einschätzung mit dem Verweis darauf, dass es im Wesentlichen um ein Geben und Nehmen geht, bei dem es nur Gewinner gibt. „Es ist ein Energieaustausch, der sich während unserer Shows materialisiert. Wir versorgen uns gegenseitig mit Energieschüben, die Fans bilden eine intakte und geschlossene Einheit, die wir als Band widerspiegeln.“

Das klingt zunächst einmal nicht allzu originell oder ungewöhnlich, erst im Hinblick auf das hochgradig eklektizistische Spiel mit unkonventionell konfektionierten Brüchen, die den Sound und die Songstrukturen speziell des aktuellen Albums The Mindsweep auszeichnen, bildet sich die besondere Tragweite des Verhältnisses zwischen der Band aus St. Albans und ihrer Anhänger ab. Freimütig euphorisiert (und textsicher) verausgaben sich die Anwesenden, wobei die unablässig auf sie niederprasselnde Reizüberflutung in besonderem Maße zu stimulieren scheint. Und eben nicht vor den Kopf stößt, wie man gemeinhin vermuten könnte. Steht Enter Shikari doch mehr denn je für eine völlige Entfesselung von Berechenbarkeit. Zumindest sieht sich die Band schon längst nicht mehr den Konventionen der Eingängigkeit verpflichtet, wie sie doch üblicherweise als unabdingbare Zutat einer funktionierenden Live-Sause verstanden wird.

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