Mahler-Arbeiten an der Elbe: Himmelshöhe und Grabestiefe

Die Elbphilharmonie zeigt’s architektonisch – und Gustav Mahlers 9. Symphonie musikalisch: das Leben ist offensichtlich oftmals eine (gigantische) Baustelle! Rund 85 Minuten führte die Junge Deutsche Philharmonie unter der Leitung ihres „Architekten“ Jonathan Nott am 18. März mit atemberaubender Präsenz und Spielfreude durch die „Bauabschnitte“ dieses musikalischen Großprojektes. Einen ähnlich begeisterten Applaus von Jung bis Alt kann man für die Elbphilharmonie wünschen – und ein ebenso leidenschaftlich und exzellent zusammenarbeitendes Ensemble.

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Es ist schon ein „Elbphilharmonie-Konzert“, dass im prunkvollen Saal der Hamburger Musikhalle aufgeführt wird: „das Allerherrlichste, was Mahler geschrieben hat“, wie Alban Berg die letzte Symphonie von Gustav Mahler ehrenvoll bezeichnete. Ob dieses riesige Werk nun „vollendet“ oder „unvollendet“ (und damit eine “Baustelle”) ist – darüber streiten sich bis heute Musikexperten.

Der "Architekt": Chefdirigent Jonathan Nott. © Richard Houghton

Der “Architekt”: Chefdirigent Jonathan Nott.      © Richard Houghton

Meist überarbeitete der Komponist seine Werke nochmals nach der ersten Aufführung, doch wurde seine letzte Symphonie 1912 erst zwei Jahre nach ihrer Fertigstellung uraufgeführt – ein Jahr nach seinem Tode. Tod und Vollendung sind zentral in dem Mammutwerk. Der Engländer Jonathan Nott dirigierte es auswendig und konzentrierte sich so äußerst stark auf junges Orchester und die tiefsinnige Musik.

Erster „Bauabschnitt“: Andante comodo

„Es ist der Ausdruck einer unerhörten Liebe zu dieser Erde, die Sehnsucht, in Frieden auf ihr zu leben, sie zu genießen bis in ihre tiefsten Tiefen“ so sah es  der avantgardistische Komponist Alban Berg und gibt auch ein konkretes Beispiel für die dazukommende Todesahnung: „Das schauerliche Bratschen- und Geigensolo und diese ritterlichen Klänge: der Tod in der Rüstung. Dagegen gibt’s kein Auflehnen!“

Auch in diesem jugendlichen Orchester kein Auflehnen? Besonders die Blechbläser „lassen es schäppern“, so dass die teilweise derart ironischen, fast schon grotesken Töne auflehnend klingen. Dazu spielen die Streicher äußerst kompakt zusammen – wenn, dann treten zumindest alle zusammen mit ungeheuer geballter Konzentration dem “Tod in der Rüstung” entgegen.

Neben den ergreifenden Soli in den Streichern ist es dann vor allem die Querflöte, die mit ihrem Solo „himmelhoch“ entführt. Neben geradezu tummultartigen Passagen, in denen Mahler die Themen fast schon brachial zu suchen scheint, bringen immer wieder verschiedene Soli eine „höhere“ Schönheit und Ordnung in die Musik. An Tutti-Stellen, in denen Mahler das Orchester „mit Wut“ ausbrechen lässt, vibrieren die Sitzbänke tatsächlich mit – vor allem die Schlagzeuger haben scheinbar einen „direkten Draht“ zum Publikum.

Wird dies in der Elbphilharmonie auch so zu spüren sein? Und arbeitet bei dem architektonischen Mammutprojekt auch alle Mitwirkenden ähnlich intensiv zusammen wie diese jungen Musiker?

Mittlere Abschnitte: „Etwas täppisch und sehr derb“ sowie “sehr trotzig” 

Gustav Mahler gibt für den zweiten Satz vor: “Im Tempo eines gemäßigten Ländlers.” Diesen recht trivialen Tanz kombiniert er mit dem ebenfalls simplen Walzer und schafft damit eine ineinander verschachtelte und vielschichtige “Tanzfläche”, auf der das Orchester seine hervorragende Spielfreude exzessiv auslebt.

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Über Matthias Berg

"Startphase" mit Praktikum bei der taz und Studium in Hamburg & Bonn (Geographie & Journalistik). Arbeitet freiberuflich in Kiel und kreuzt dabei leidenschaftlich gerne mit Cello oder Segelschiff über Musik- & Meereswellen.

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