Musik der Karibik XVI

Schwungvolle Tanzmusik aus Suriname

Unbestritten bleibt das wichtigste Musikerbe des Südkaribikstaats Suriname der Kaseko, ein schwungvoller Tanz, der vermutlich auf die französische Wendung casser le corps zurückzuführen ist. Es handelt sich dabei um eine Mixtur aus mehreren Tanztraditionen Europas, Afrikas und Amerikas, die schon während der Zeit der Sklaverei gepflegt wurden. Sein Kennzeichen ist daher eine besondere rhythmische Komplexität. Besondere Bedeutung unter den Schlaginstrumenten kommt hier einer Art großer Basstrommel zu, dem Skratji, daneben der wesentlich kleineren Rührtrommel mit ihrem charakteristischen schnarrenden Klang. Üblicherweise spielen Saxophon, Trompete und Posaune bei den Aufführungen eine weitere wichtige Rolle.

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Die repräsentative Demokratie Surinames ist bis heute von Politikern der ehemaligen Militärdiktatur geprägt. Kulturell gesehen dominieren in den Künsten Mischstile aus afrikanischer, karibischer und indischer Tradition (Shadowfox 2013).

Die repräsentative Demokratie Surinames ist bis heute von Politikern der ehemaligen Militärdiktatur geprägt. Kulturell gesehen dominieren in den Künsten Mischstile aus afrikanischer, karibischer und indischer Tradition (Shadowfox 2013).

Für die afrikanische Tradition steht neben anderen prominenten Musikern wie Famirie Yakki etwa der Perkussionskünstler Moksie Patoe. Da Suriname erst 1975 von den Niederlanden als Kolonialmacht unabhängig wurde, könnte man versucht sein zu glauben, die klassische europäische Musik wäre über die vielen Dezennien der Fremdherrschaft dort etabliert worden, doch gilt dies allenfalls für elitäre Interessen der Führungsschicht und der wohlhabenden Einwanderer, Nachkommen der Besatzer. Vielmehr konnte sich durch die Immigration aus Südindien die klassische Hindustani-Musik neben der populären Hindi-Musik surinamesischer Prägung durchsetzen. Die Bemühungen um die indische Klassik ging vor allem von der Botschaft in Paramaribo aus. Durch die Lehrer, die aus der Schule von Prof. Kinot und vom Leiter des Kulturzentrums Prof. Rajesh Kelkar hervorgingen, gelangte sie über das 247 km von der Hauptstadt entfernte Nickerie auch in die Dörfer im Landesinneren Surinames.

Populärer Vertreter der afrikanisch-karibischen Musik in Suriname: Moksie Patoe (B00KHPCE8Y, 2003).

Populärer Vertreter der afrikanisch-karibischen Musik in Suriname: Moksie Patoe (B00KHPCE8Y, Newsound, 2003).

Das Prinzip des überall in dem Karibikstaat verbreiteten Kaseko bildet, was den Gesang betrifft, der Wechsel aus Frage und Antwort, was sowohl für die chorische Besetzung als auch für Solos gilt. Diese Form steht im Zusammenhang mit kreolischen Traditionen wie winti und kawina. Eine Blütezeit erlebte der Kaseko in den 1930er Jahren, als während Feiern große Bands, insbesondere mit Blechbläsern auftraten, die Bigi Pokoe, “Große Trommelmusik”, genannt wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzten sich in Suriname wie in anderen Teilen der Karibik daneben Jazz, Calypso und der amerikanische Rock’n’Roll durch.

Besondere Beliebtheit erlangte der professionell ausgebildete Pianist Sonny Khoeblal mit einer Fusion aus Pop, Soul, Jazz und indischer Musik. Sein Hit Wings of Peace , der auch seine erfolgreiche CD betitelt, ist als Evergreen überall im Rundfunk des Landes präsent. Khoeblal vertritt vor allem eine US-amerikanische Ausrichtung und ist mit zahlreichen Szene-Prominenten und auch der Jazz-Ikone Chick Corea aufgetreten.

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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