Pflichtalbum ab sofort, Pflichttermine im Juni

Lydia Lunch Retrovirus

„Grande Dame des No Wave“ – auf dieses Label wird sich gemeinhin geeinigt, wenn es darum geht, Lydia Lunch gleichzeitig zu huldigen und zu klassifizieren. Dem hält sie jedoch keine plakative Selbstdefinition entgegen. Mit jedem Ausdruck ihrer ebenso einnehmenden wie entschlossenen Persönlichkeit demaskiert sie jede Definition als Vorurteil, als Ausdruck des Stillstands, den sie seit annähernd vierzig Jahren mit brutaler Sinnlichkeit unterläuft. So untermauert sie mit dem Appendix Retrovirus auf Urge to Kill (Rustblade/Broken Silence) die ungebrochene Wirkkraft ihres wesentlichen Willens zur kompromisslos offensiven Haltung.

Administriere bereits ab €0,- Deine Sprachschule!

Lydia Lunch Retrovirus: "Urge To Kill" (Rustblade/Broken Silence)

Lydia Lunch Retrovirus: “Urge To Kill” (Rustblade/Broken Silence)

Lydia Lunch Retrovirus: Weasel Walter (Gitarre, The Flying Luttenbachers), Bob Bert (Drums, Ex-Sonic Youth, Ex-Pussy Galore) und Tim Dahl (Bass, Child Abuse) exerzieren jenen brachial wühlenden Noise Rock, für den Lydia Lunch ihr vokales Intonationsvermögen einst statuiert hat. Jetzt von der projektbezogenen Renaissance einer vergangenen Blütezeit der Subkultur zu schwadronieren, verfehlt vielleicht nicht den überheblichen Zweck. Doch den Sinn geht das nichts an.

Es ist die Kontinuität der Unternehmung, die auf Urge To Kill mit der Radikalität überzeugt, jederzeit im Stande zu sein, aus altbekanntem Material den heißesten Scheiß zu sedimentieren, seit sich der Rock’n’Roll zu seinen Abgründen bekannt hat. Es ist die Beständigkeit des Aufruhrs und der Affirmation jenes Risikos, mit dem etwa das prominent erwählte Suicide-Cover Frankie Teardrop personalisierte Defekte heiligt.

Doch es ist nicht die Lust am Untergang, der Lydia Lunch huldigt. Sie hat viele, zu viele Weggefährten (Stiv Bators, Jeffrey Lee Pierce et al.) verrecken sehen. Ihre Rückkehr zu den Fields Of Fire ist ein Manifest – nicht des großen Umsonst. Sondern des nach allen Seiten hin emanzipierten Trotzdem.

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!


Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>