Ausblicke in der Musikforschung

Projekte

In Greifswald wird derzeit emsig an einer Katalogisierung und Auswertung von Gelegenheitsmusik aus dem gesamten Ostseeraum gearbeitet, wobei der gewählte Zeitraum vom 16. bis 18. Jahrhundert wegen der verstreuten, teils schwer zugänglichen Materialien an sich schon eine Herausforderung darstellt. Ohne Zweifel sind etliche Aha-Erlebnisse zu erwarten, wenn man sich die thematische Breite einer solchen Erfassung vorstellt: Vom Ständchen anlässlich einer estnischen Tauffeier über das vertonte Geburtstagscarmen in der Tradition von Klopstock bis Voss bis zur spätbarocken Kantate anlässlich einer norwegischen Rathauseinweihung ist alles (Mögliche) denkbar.

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Das Werk des seinerzeit exzentrischen und höchst unkonventionellen französischen komponisten Hector Berlioz wurde auch von dem Musikästhetiker W. W. Ambros gewürdigt, dessen musikästhetischem Schaffen ein Projekt an der Münchener Universität gilt (p.d. United States nach einer Fotografie von Nadar, um 1860).

Das Werk des seinerzeit exzentrischen französischen Autodidakten Hector Berlioz wurde auch von dem Musikästhetiker August Wilhelm Ambros gewürdigt, dessen musikästhetischem Schaffen ein aktuelles Projekt an der Münchener Universität gilt (p.d. United States nach einer Fotografie von Nadar, um 1860).

Das musikwissenschaftliche Institut der Universität Heidelberg beschäftigt Wissenschaftler noch über etliche Jahre hin fächerübergreifend und in Zusammenarbeit mit der Universität des Saarlands mit europäischen Traumkulturen. Die bisher wenig erforschte konzertante lateinische Vokalmusik des 17. Jahrhunderts bildet hier einen weiteren interessanten Schwerpunkt. Sie hatte zum Jahr des Todes ihres Urhebers 2012 bereits einen Umfang von 250 Kompositionen italienischer Provenienz, die sowohl auf der Homepage QUICS als auch in der Petrucci-Musikbibliothek vorliegen. Darüber hinaus trägt das Heidelberger Institut zum Projekt ASCIMA bei, hinter dem sich das von Birmingham initiierte Archiv italienischer Madrigale und Arien des 17. Jahrhunderts verbirgt. Südwestdeutsche Hofmusik erforscht momentan die Heidelberger Akademie der Wissenschaften, wobei die Aufmerksamkeit der Publikationen sowohl den Hofmusikern selbst als auch den Residenzen (wie etwa Karlsruhe oder Baden-Baden), an denen sie wirkten, gilt. Darüber hinaus wird der Instrumentenbau in diesem Umfeld unter die Lupe genommen – ein sicherlich wichtiger Beitrag auch zur kulturhistorischen Alltagsforschung.

Derweilen feilt man am Institut für Systematische Musikwissenschaft der Hamburger Universität – im schmucken Backsteinbau der Neuen Rabenstraße 13 – am Design musikalischer Hardware mittels inverser Mikrophone-Array-Techniken und anderer Methoden. Zukunftsorientiert ist auch das dort beantragte DFG-Projekt zur Echtzeit-Simulation von Instrumenten, beispielhaft untersucht von der Gruppe um Prof. Dr. Rolf Bader am vollständigen Korpus des Banjos. Physical Modeling lautet das Verfahren für die Echtzeitimplementierung von Differentialgleichungen zur Klangerzeugung auf der speziellen FPGA-Hardware, die ebenso exemplarisch an einem anderen Instrument, dem Klavier, erprobt wird. Parallel zu diesen Forschungsvorhaben läuft die wertvolle Digitalisation eines riesigen Bestands ethnographischer Klangaufnahmen; das Archiv befindet sich zur Zeit noch im Aufbau.

Im Haus des musikwissenschaftlichen Seminars der Universität Heidelberg, Augustinergasse 7, an dem derzeit vier große Forschungsprojekte laufen, wohnte einst der Archäologe Karl Bernhard Stark (Ribax 2014).

Im Haus des musikwissenschaftlichen Seminars der Universität Heidelberg, Augustinergasse 7, an dem derzeit vier große Forschungsprojekte laufen, wohnte einst der Archäologe Karl Bernhard Stark (Ribax 2014).

Die kritische Ausgabe der Werke von Richard Strauss ist nicht erst seit dem Jubiläumsjahr 2014 Aufgabe des Teams um Prof. Dr. Hartmut Schick am musikwissenschaftlichen Institut der LMU München. Das seit 2011 betriebene Projekt ist auf viele Jahre hin ausgelegt und beschäftigt eine eigene Kommission, die auf dem 2009 in Garmisch-Partenkirchen begonnenen Quellenverzeichnis beruht. Das musikästhetische Œuvre von August Wilhelm Ambros, der auch über seine Zeitgenossen Berlioz, Liszt und Wagner schrieb, und sein Umfeld um 1850 werden von einer weiteren Gruppe unter Leitung von Prof. Schick beleuchtet. Hier spielen die um Ambros versammelten sogenannten Prager Davidsbündler, zu denen Eduard Hanslick und Franz Balthasar Ulm zählten, eine wichtige Rolle.

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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