Gothic Castle 2015

Au revoir, absolument!

Der Herr Direktor, In Mitra Medusa Inri (Stephan Wolf)

Der Herr Direktor, In Mitra Medusa Inri (Stephan Wolf)

In Mitra Medusa Inri überzeugten anschließend mit einer aktuellen Werkschau, die mit Titeln wie Theatre Of Rain, The Excitement oder Waiting Zeugnis von der Güte des neueren Songmaterials der Szene-Urgesteine ablegte. Vom Blickfang des Herrn Direktor (ganz in weiß, ohne Blumenstrauß) angeleitet, hob der Vierer zu einer emotionalen Reise voller entrückter bis verzweifelter Zwischenklänge an, deren bereits im zweiten Titel vorweggenommenes Ziel – Papaverland – den Burginnenhof in einen Ort jenseits des bloß Vorhandenen verwandelte. Ganz großes Kopfkino, zu dessen anschließender Erdung nicht zuletzt die kraftvolle Version des Tears For Fears-Gassenhauers Shout gehörig beitrug. Bleibt zu hoffen, dass IMMI zukünftig wieder häufiger auf die Bretter steigen werden. Dass sie sich hierzu in einer hervorragenden Verfassung befinden, bewies ihr Gastspiel zu Satzvey.

Zu den Psycholies, die aus Bari (!) angereist waren, Aufgeschnapptes: „Wer hat denn Rob Zombie eingeladen?!“ und „Marilyn Manson hätte das auch nicht besser gebracht“. Trotz einiger technischer Probleme (die wahrzunehmen zunächst allein der Band vorbehalten blieben) wurde schnell deutlich, warum der süditalienischen Band internationales Format bescheinigt wird: Die Jungs rocken wie Sau – und sehen auch noch dementsprechend aus. Hell yeah!

King, Psycholies (Stephan Wolf)

King, Psycholies (Stephan Wolf)

Zu dieser üppig bemessenen Portion Ausgelassenheit boten die Franzosen Radium Valley ein willkommenes Gegengewicht am späten Nachmittag. Unter Aufbietung zahlreicher theatralischer Schaueffekte (die von Karim Guerbaa getragen wurden) gerieten ihre postapokalyptischen Reflexionen zu einer äußerst unterhaltsamen Tour de Force, derweil das strukturell an Dark Metal und NDH orientierte Songmaterial  seinen schürfend schwermütigen Anteil nicht verhehlte (CD: Tales From The Apocalypse).

Somit bot die Band aus Limoges bei weitem nicht nur veritable Hingucker im Sinne einer Rock-Show, sondern eine sich zunächst steigernde und im weiteren Verlauf wie um sich selbst kreisende Auseinandersetzung mit Formen von Reue und Aufbegehren – eben auch mit musikalischen Mitteln, von Dringlichkeit bis Authentizität. Radium Valley hinterließen einen gemeinhin bleibenden Eindruck. Wohlverdient. Au revoir, absolument!

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!


Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>