Pfade durch die Musiklandschaft Australien XXII

Mark Viggiani und der Tango

Zu den noch immer aktuellen Orchesterstücken des professionellen Gitarristen Mark Viggiani, Jahrgang 1968, gehört One Last Tango (2010), in dem er die stilistischen Möglichkeiten erkundet, die Tradition und Rhythmus des Tanzes bieten. Die Zusammenstellung der Instrumentalisten entspricht daher nicht der klassisch-romantischen Aufstellung, sondern eher einer (historischen) Jazz-Tanzcombo: Streicher sind nicht vertreten, neben den Bläsern spielen Celesta, Vibraphon, Tamtam und diverse andere Schlaginstrumente eine wichtige Rolle. Es handelte sich um ein Auftragswerk für das australische Komponistenförderprogramm, das durch den von Astor Piazzolla begründeten Tangostil hörbar beeinflusst ist. Seine Uraufführung erlebte es durch das Orchestra Victoria unter der Leitung von Richard Mills am 7. Juli 2010. Dabei war “Tango” schon seit langem kein Fremdwort für Viggiani mehr, denn 1995 hatte er für das Gitarrenduett ZOO Duo seinen Black Cat Tango ganz in der Gangart seines argentinischen Vorbilds geschrieben.

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Astor Piazzollo, hier mit Horacio Ferrer im Jahr 1970, ist auch eines der großen Vorbilder des australischen Gitarristen und (Tango-) Komponisten Mark Viggiani (www.piazzolla.org, Album En persona RCA 1970, p.d.).

Der legendäre Astor Piazzolla, hier mit Horacio Ferrer im Jahr 1970, ist auch eines der großen Vorbilder des australischen Gitarristen und (Tango-) Komponisten Mark Viggiani (www.piazzolla.org, Album En persona RCA 1970, p.d.).

Wie für etliche australische Komponisten, die sich von einer rein westlichen klassischen Ausrichtung in der Praxis teils schon vor zwei Generationen gelöst haben, gibt es für Mark Viggiani keine Trennlinie zwischen Klassik und Jazz. Die Harmonik seiner Werke für eine oder mehrere Gitarren, auch für Gitarre in Verbindung mit Violine repräsentiert vielmehr eine persönliche Stilkombination, die am ehesten noch mit lateinamerikanischen Richtungen vergleichbar ist, wie wir sie von Manuel Ponces und Leo Brouwers kennen. Ein besonderes Interesse des in Melbourne geborenen Komponisten gilt unter vielem anderen astronomischen Themen: So erklären sich Werke wie Meridian III für Horn solo, To the Moon für Bläseroktett und The Rings of Saturn für Flöte, Harfe und Bratsche, das wenigstens dem Titel nach an Gustav Holsts entsprechenden Satz aus The Planets denken lässt.

Das Album The Rainmaker weckte international Interesse an Mark Viggianis Werk (B00EP4W6AO, Move Records 2013).

Das Album The Rainmaker weckte international Interesse an Mark Viggianis Werk (B00EP4W6AO, Move Records 2013).

Mit seiner CD The Rainmaker bei Move Records, die 2013 erschien und international Beachtung fand, demonstriert der ehemalige Schüler von Stuart Greenbaum vor allem Stücke für die Gitarre. Einige Proben seiner Spielkunst gab er selbst beim Darwin International Guitar Festival und beim Brunswick Music Festival, zu dessen Anlasser mit Anthony Field auftrat. Es ist wohl auch der Herkunft seiner Eltern zu verdanken, dass Viggiani sich – während der Zeit seiner Arbeit an einer Dissertation – in Turin bei Giulio Castagnoli vervollkommnete und an den Meisterklassen der Biennale in Venedig partizipierte. Gerade wegen seines klassisch fundierten Jazz- und Tangorepertoires nahm der in Melbourne am Konservatorium und als Gitarrendozent unterrichtende Künstler 2012 den Zavod Classical/Jazz Fusion Composition Award entgegen.

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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