Musik der Karibik XXIII

Vals de concierto

Zur karibischen Gesamtregion im Bereich der Großen Antillen – also zusammen mit Jamaika, Kuba und Haiti – gehört der Inselstaat Puerto Rico, in dem gleichermaßen Spanisch wie Englisch gesprochen wird und wo der US-Dollar regiert. Einer der jüngsten Musikstile überhaupt, der Reggaetón, wurde hier geboren und wird durch namhafte Musiker wie Daddy Yankee, Tego Calderón oder Ivy Queen vertreten. Dass es sich bei Puerto Rico um ein Territorium der Vereinigten Staaten handelt, ist nicht nur an der politischen Zugehörigkeit offenkundig, sondern auch an der Tatsache, dass etliche der hier populären Songwriter, Sänger und Komponisten in den USA aufwuchsen und nun “zwischen den Welten” pendeln, wobei sie Puerto Rico als feste Lebensbasis gewählt haben; dies gilt etwa für den im Genre Hip-Hop zu verortenden New Yorker Austin Santos, bekannter unter dem Namen Arcángel, dessen Mutter, ebenfalls eine Sängerin, dominikanischer Herkunft ist.

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So präsentieren sich heute die Straßenfluchten in der Altstadt von San Juan, Puerto Ricos Metropole (30.12.2006, http://www.flickr.com/people/ 37244380@N00/).

So präsentieren sich heute die Straßenfluchten in der Altstadt von San Juan, Puerto Ricos Metropole (30.12.2006, http://www.flickr.com/people/
37244380@N00/).

Auch der legendäre blinde Gitarrist und Akkordeonist José Feliciano stammt von Puerto Rico, genauer aus der Stadt Lares im gebirgigen Westen und machte zunächst durch zwei eigene Hits aus dem (hier gleichermaßen) heimischen Bolero-Repertoire auf sich aufmerksam. Er verkörperte geradezu über viele Jahre die beiden Sphären spanischsprachiger karibischer Musik und des englischen Rock’n’Roll. 1995 wurde in New York sogar eine öffentliche, am Theater orientierte Schule nach ihm (um)benannt.

Beim Tango und seinen Varianten ist auch die Sopransängerin Ana María Martínez ganz in ihrem Element (B00IEKDD0C, Decca 2004).

Auch beim Tango und seinen Varianten ist die Sopransängerin Ana María Martínez ganz im Element der Tanzmusik ihrer Heimat (B00IEKDD0C, Decca 2004).

Aus der Hauptstadt der Insel, San Juan, kommt auch die an der Juilliard School in New York ausgebildete Sopranistin Ana María Martínez. Sie singt in zahlreichen Hauprollen an den großen Opernhäusern der USA und Europas, in Musikdramen von Dvořák, Levy, Mozart, Leoncavallo, Rodrigo und Albéniz und widmete sich mit Vorliebe den Sopranpartien in Werken von Philip Glass. Sie sang auch bereits im Duett mit Placido Domingo.

Eine der schillerndsten Persönlichkeiten des klassischen Konzertlebens auf Puerto Rico bleibt unangefochten der in der Ukraine geborene und in den USA ausgebildete Komponist und Bratschist Jack Delano (1914 – 1997), der auch als professioneller Kunstfotograf und Verleger von Kinderbüchern erfolgreich war.

Jack Delano stammte aus der Ukraine, studierte in den USA und wirkte als Komponist lange Zeit auf Puerto Rico (War Information. Overseas Picture Division. Washington Division; 1944, p.d.).

Jack Delano stammte aus der Ukraine, studierte in den USA und wirkte als Komponist lange Zeit auf Puerto Rico (War Information. Overseas Picture Division. Washington Division; 1944, p.d.).

Insbesondere seine Chorgesangswerke und Kammermusik setzten sich in den Konzertprogrammen (nicht alleine) in seinem seit 1946 gewählten puertoricanischen Domizil durch, unter anderem Tres cancioncitas del mar für mittlere Stimmen und Klavier (1969) nach Texten spanisch schreibender einheimischer Dichterinnen und sein Streichquartett von 1984.

Ihren eigentlichen Ausgang nahm die “nationale” Musik des Inselstaats von den eleganten und gefühlvollen Dancas und Walzern noch vor 1800, die ihre besondere kunstmusikalische Ausrichtung durch Manuel Gregorio Tavárez (1843 – 1883) fanden. Bis heute hallt diese auf dem alten spanischen und allgemein europäischen Tanzfundus beruhende Tradition in den rhythmisch prägnanten Balladen der heutigen Popmusik nach.

Der äußerst talentierte Pianist Manuel Gregorio Tavárez, der der Musik seiner Heimat Puerto Rico entscheidende Impulse zur Entwicklung eines klassischen Musiklebens gab, wurde in der Altstadt von San Juan mit einer Steinbüste geehrt (22.10.2011, Daderot).

Der hoch talentierte Pianist Manuel Gregorio Tavárez, der der Musik seiner Heimat Puerto Rico entscheidende Impulse zur Entwicklung eines klassischen Musiklebens gab, wurde in der Altstadt von San Juan mit einer Steinbüste geehrt (22.10.2011, Daderot).

Tavárez studierte dank eines Stipendiums Klavier an einem Konservatorium in Paris und wirkte bald danach als Instrumentallehrer in verschiedenen Städten Puerto Ricos. In Ponce schuf er Werke, die einen Brückenschlag zwischen kubanischen Dancas, europäischer Satzkunst und afrikanischen Elementen herstellten. Auch auf den Gebieten der Symphonie und der Liedkomposition gelang ihm  Bedeutendes. Besondere Popularität erlangten seine Walzer El 24 de junio – mit Bezug auf den Nationalfeiertag San Juans – und Vals de Concierto.

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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