Meisterwerke der polnischen Musik XXIV

Der zweite Paganini

Paganini war der Fixstern seiner frühen Laufbahn, aber nicht nur das: Nach einigen Jahren als Konzertmeister, anschließend als Kapellmeister am Lemberger Theater ging Karol Józef Lipiński nach Italien, nur zu dem Zweck, den bekanntesten europäischen Geiger seiner Zeit selbst zu hören – und freundete sich mit diesem in Mailand an, woraus gemeinsame Konzerte hervorgingen. Dabei kann Lipiński selbst als der versierteste polnische Violinist der Romantik gelten, der mit besonderer Fingerfertigkeit das Doppelgriffspiel beherrschte.

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Die legendäre Violine "Il Cannone" soll im Besitz von Niccolò Paganini gewesen sein, Karol Lipinski spielte auf einem ähnlichen Instrument aus der Werkstatt Giuseppe Guarneris (2.6.2006, Lucarelli).

Die legendäre Violine “Il Cannone” soll im Besitz von Niccolò Paganini gewesen sein, Karol Lipiński spielte auf einem ähnlichen Instrument aus der Werkstatt Giuseppe Guarneris (2.6.2006, Lucarelli).

Der 1790 in Radzyń bei Lublin geborene Musiker und Dresdener Dirigent brachte aber auch als Komponist Bedeutendes hervor: Unter anderem schrieb er vier Violinkonzerte, aus denen besonders das während eines Englandaufenthalts geschriebene so genannte Militärkonzert op. 21 herausragt, vier Opern und eine lange Reihe von “selbsterprobten” und zum Teil wohl aus Improvisationen hervorgegangenen Stücken für Geige allein, zu denen drei Capricen zählen, die er seinem Freund Niccolò Paganini widmete. Gleichsam nebenbei entstanden drei Symphonien, Orchesterstücke, ein Rondo alla Polacca, Streichtrios und die im 19. Jahrhundert modischen Variationen für Violine über Opernarien von Meyerbeer, Bellini, Verdi und etwa zu Rossinis La Cenerentola.

 

Karol_Lipiński (1790 - 1861) auf einem Gemälde von Walenty Wakowicz (1822; http://cyfrowe.mnw. art.pl/dmuseion/docmetadata? d=5202&from=&dirids =52&ver_id=&lp= 12&QI=).

Karol Lipiński (1790 – 1861) auf einem Gemälde von Walenty Wańkowicz (1822; http://cyfrowe.mnw)

Wenig bekannt blieben außerhalb Polens hingegen Lipińskis Theatermusiken, etwa zur komischen Oper Landadel oder: Streit um den Wind oder zum Stück Die Belagerung von Smolensk. Die beiden komischen Opern Händel vor dem Geschäft und Die Donausirene (gemeint ist das sagenhafte “Donauweibchen”) von 1814 beweisen auf einem “Nebenschauplatz” seine Vorliebe für Persiflagen und unernste Stoffe. Seine Reisen als Solist und Dirigent führten ihn durch ganz Europa, in kleinere wie größere Städte: Unter anderem trat er in Paris, London, Manchester und Leipzig auf. In früheren Jahren begleitete er die Pianistin Maria Szymanowska auf ihren Tourneen und spielte mit ihr im Duett. Henryk Wieniawski widmete dem Virtuosen seine Polonaise brillante in D-Dur. So nimmt es auch nicht wunder, dass Karol Lipiński selbst in Fürstenhäusern aus- und einging und vom Adel für seine Kunst geschätzt wurde. Die Breslauer Musikhochschule ist nach ihm benannt.

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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