Klassische und folkloristische Musik aus Thailand

Pi ti wai kru

Animistische Vorstellungen in Verbindung mit dem Buddhismus prägten die klassische Musik zwischen Burma und Kambodscha. Dabei spielt der Dank an die Götter insbesondere für die Gabe des musischen Wissen eine große Rolle in der traditionellen Zeremonie Pi ti wai kru. Zu den klassischen “höfischen” Genres in Aufführungen gehören Tempeltänze ebenso wie die lakhon genannten Tanzdramen. Fon lep, der nordthailändische Fingernageltanz, ist heute beinahe mehr im Ausland und bei Touristen bekannt als in Thailand selbst.

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Die Folkloristische Musiktradition bleibt (auch) in der Familie: Mangkala in Phrafang (Prachom Vongpint).

Die folkloristische thailändische Musiktradition bleibt (auch) in der Familie: Mangkala in Phrafang (Prachom Vongpint).

Die Grundbausteine konzertanter klassischer Musik liegen – was das Instrumentarium und die Spielweise betrifft – im Pi-phat-Ensemble begründet: Xylophone, kleine Becken, eine Doppelfelltrommel, zwei Fasstrommeln und der Gong weisen auf den überwiegenden Gebrauch von Perkussionsinstrumenten hin, als Blasinstrument tritt pi nai, die Oboe, hinzu. Kendra Stepputat weist auf den heutigen Ort der Vorstellungen, nämlich Konzertbühne, Theater und sogar Begräbnisse hin, an denen solche Formationen zu hören sind. In vorhergehenden Jahrhunderten war Pi-phat-Musik ganz an den Hof gebunden, vergleichbar europäischer Kammermusik der Barockzeit unter Begleitung des Cembalos. Eine weitere beliebte Art des Orchesters nennt sich Khruong Sai und besteht aus Saiteninstrumenten, einer Bambuslängsflöte, einer Rahmentrommel und Handzimbeln.

Keine museale Angelegenheit: Pi-phat-Ensembleinstrumente im Pariser Musée de la musique (Jean-Pierre Dalbéra, 29.7.2009).

Keine museale Angelegenheit: Pi-phat-Ensembleinstrumente im Pariser Musée de la musique (Jean-Pierre Dalbéra, 29.7.2009).

Der Klang historisch begründeter thailändischer Musik erscheint unseren Ohren hingegen ähnlich fremdartig wie derjenige Indiens oder Chinas, deren Einflüsse sie verarbeitete. Die Oktave ist im ehemals höfischen Tonsystem in sieben gleich große Schritte unterteilt. Melodien setzen sich aus kleinteiligen Motiven zusammen, was westlichen Zuhörern leicht den “vermeintlichen” Eindruck vielfacher Wiederholung vermittelt. Ethnologen und Folkloristen horchen bei den Tönen der Ensembles auf, denn es handelt sich tatsächlich um eine nicht notierte Musik, die lediglich mündlich und durch Nachahmung weitergegeben wurde. Sie hat es selbst in einer Großstadt wie Bangkok ähnlich schwer wie hierzulande die Klassik, um sich unter einer Vielzahl von Stilen einschließlich Jazz und asiatischem Pop noch zu behaupten, wird aber von Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn vehement propagiert. Jenseits der Rezeption der Moderne und Weiterführung des Erbes in einer bestimmten Nische existiert eine Musikkultur, die an diese Entwicklung nicht angekoppelt war: Die laotischstämmige Bevölkerung im Nordosten des Landes pflegt ihre  folkloristische Tradition des Mor-lam weiter, zu dem üblicherweise eine Variante der Mundorgel gespielt wird.

 

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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