Rausgekramt… Trio Jacques Loussier „Play Bach No.1“

Da steht man Sonntag-Nachmittag nichts ahnend vor seinem Schallplattenregal, durchforstet die alten Scheiben – die mittlerweile schon seit längerem aus der elterlichen Sammlung entwendet wurden – und reißt die Augen auf: Jacques Loussier. Da war doch was. Stimmt. Den habe ich doch damals live gesehen. In der Semperoper. Und ja – als Knabe von gerade einmal vierzehn Jahren war ich verwundert, erstaunt und auch begeistert. Freiwillig bin ich da damals garantiert nicht hin. Die wenigsten pubertierenden Kinder lassen sich schließlich mit Bach locken.

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Aber es kam anders als erwartet und schwer beeindruckt verließ ich die heiligen Hallen der Semperoper. Zu Hause wurde natürlich der Plattenspieler gleich angeworfen und weiter gejatzt.

Jacques Loussier Quelle: http://commons.wikimedia.org/ Foto: Jose Luis Lopez

Jacques Loussier
Quelle: http://commons.wikimedia.org/
Foto: Jose Luis Lopez

Nun stand ich vor der Platte, mein zweijähriger Sohn wuselte um meine Beine und ich dachte: Warum nicht?! Also die Platte raus aus der Schutzhülle gezogen, die Carbon-Bürste gezückt, die Nadel gesenkt und hach… Als die ersten Töne von „Toccata und Fuge in d-moll“ ertönten breitete sich ein breites Grinsen auf meinem Gesicht aus. Mein Sohnemann sprang im Rhythmus der Musik durch das Wohnzimmer und alles war gut. Mitten im Song ein Schlagzeugsolo, von dem sich viele moderne Drummer noch eine Menge abschauen könnten und dann ging es weiter und weiter und dann musste ich die Platte drehen. Die B-Seite beginnt mit dem bekannten „Präludium Nr. 1 in C-Dur“ und damit etwas ruhiger als die A-Seite, swingt aber ordentlich.

Johann Sebastian Bach Quelle: http://commons.wikimedia.org/

Johann Sebastian Bach
Quelle: http://commons.wikimedia.org/

Besonders bemerkenswert ist, dass die komplette Schallplatte live aufgenommen und 1960 veröffentlicht wurde. Die Qualität der Aufnahme ist für ihr Alter über jeden Zweifel erhaben, nein erschreckend gut. Da gibt es nichts zu meckern. Das Talent der Musiker kann nicht angezweifelt werden. Kein Wunder, Loussier gehört zu den besten Jazz-Pianisten auf unserer schönen Erde und seine zwei Begleiter sind nicht minder begabt. Drei Mann schaffen es schon seit über 50 Jahren, nur mit Piano, Kontrabass und Schlagzeug bewaffnet, Bach neu, individuell und vor allem überzeugend an den Mann zu bringen. 2012 teilte Loussier mit, dass er nach 50-jähriger Bühnenpräsenz erst einmal eine Pause machen wolle. Bisher sind leider keine neuen Tourdaten bekannt. Aber ich hoffe, dass es schon bald wieder neue Konzerttermine geben wird! Für all diejenigen die sich nicht vorstellen können, wie das Trio die Wände zum Wackeln bringen kann und für all diejenigen die in seliger Erinnerung an ihr letztes Jazz-Bach-Konzert schwelgen, hier das Video zu dem Konzert bei den Jazzwochen 2007 in Burghausen:

Mittlerweile wurde Play Bach No.1 mehrfach neu aufgelegt und liegt natürlich auch als Remastered-Version auf CD vor. Wer ein Abo bei Spotify hat, ganz sich dort auch satthören.

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Über Holger Sontopski

Junger Redakteur. Schon seit Jahren in der fränkischen Musikszene unterwegs. Hat eine Vorliebe für riffbetonte Musik, schaut aber dank seiner klassischen Musikausbildung gerne über den Tellerrand hinaus.

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