Else Marie Pade (1924 – 2016)

Welten zwischen Klang und Ton

Am 18. Januar ist im Alter von 91 Jahren Else Marie Pade, dänische Pionierin elektronischer und konkreter Musik, verstorben. Selbst als Bewohnerin eines Pflegeheims wollte sie auf ein Klavier sowie Bandmaschinen nicht verzichten. Zuvor gehörten Mikrophone und Oszillatoren zu ihren bevorzugten Gegenständen. Mit dem Widerstand gegen die deutschen Besatzer im 2. Weltkrieg war sie auch vertraut. Ein kurzer Nachruf.

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Else Marie Pade (Important Records)

Else Marie Pade (Important Records)

Else Marie Pade war eine Kommilitonin von Pierre Boulez (am 5. Januar zu Baden-Baden verstorben), Freundin von Pierre Schaeffer und Schülerin von Karlheinz Stockhausen zu Darmstadt. Mögen diese Verweise auf (vergleichsweise berühmte) Gefährten das eigene Schaffen zunächst auch überstrahlen – und listet etwa discogs.com zurzeit gerade einmal acht Veröffentlichungen auf – können Bedeutung und Lebensleistung der Dänin kaum klar genug betont werden.

Dass der Ton an sich, fernab sämtlicher (Kon-)Notation, im Zentrum ihres nahezu als extrem zu bezeichnenden Forschergeist stand, unterscheidet sie von ihren musikalischen Zeitgenossen, die stete Zweckgebundenheit auszeichnete; einem Aszendenten, den Else Marie Pade, auch ohne Pathos oder Pamphlet, allein als ungegenständlich anerkannte. Im Spannungsfeld aus natürlich anmutender Radikalität und, gewiss, männlich determinierter Ästhetik erscheinen ihre Arbeiten heute post moderner als je zuvor. Doch zeichnet sich ihre Science Fiction durch eine Artikulationsgabe aus, die selbst das vermeintlich Abwegige zur griffigen Gewissheit gestaltete.

Die Ignoranz, die Else Marie Pade Zeit ihrer künstlerischen Aktivität widerfuhr, spiegelt und versinnbildlicht ihren Ansatz, auch ohne selbstgerechten Überbau von Theorie und Akademismus, den Klängen auf die Spur zu kommen. Indem sie die Klänge provozierte. Und anschließend, nach ihrer Freilegung, gut zu ihnen war. Sie gewähren ließ. Ihnen und sich selbst alle Freiheiten nahm, gab – und somit als solitär in die Annalen der elektronischen und konkreten Musik eingehen wird. Und letztlich doch – muss.

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