Maja Osojnik - Let Them Grow

Wachstum um jeden Preis?

Nach rund vierzehn Alben mit Bands wie dem Low Frequency Orchestra oder Broken. Heart. Collector begibt sich die gebürtige Slowenin Maja Osojnik mit Let Them Grow (Unrecords/Rock Is Hell) erstmals als Solo-Künstlerin auf eine Veröffentlichung. Anlässlich des BRUT Vienna – Klingt.org Festival am vergangenen Samstag vorgestellt, erweist sich ihr Wagnis als gelungener Versuch einer musikalisch vorurteilsfreien Totalbetrachtung der conditio humana. Von der Entfremdung über die Selbstsuche zur Erkenntnis: Angesichts von Krieg und Tod halten sich Wachstumsdrang und Generalzweifel gerade noch so eben die Waage.

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Maja Osojnik: "Let Them Grow" (Unrecords/Rock Is Hell)

Maja Osojnik: “Let Them Grow” (Unrecords/Rock Is Hell)

Totalbetrachtung mittels Totalmusik: Die Methodik der Klangerzeugung rückt das Kaputte, das Entwertete, das Abgelehnte in den Mittelpunkt des Geschehens. So anhand von „Rejects“, aufgrund von technischen Mängeln als unbrauchbar deklarierte Soundschnipsel, denen Maja Osojnik eine neue Wertigkeit und erstmals auch eine Bedeutung zukommen lässt. Doch die vermeintliche Minderwertigkeit ihrer Klangquellen hört man – nota bene – Let Them Grow keineswegs an. Wer diesen Umstand verinnerlicht, der dürfte an den inhaltlichen Kern des Albums rühren.

Ferner geizt Maja Osojnik nicht mit den Reizen ihrer im Jazz geschulten Stimme. Sie schmeichelt, umgart, verführt. Betet vor, verrät und verjagt. Die somit begünstigten Spannungsbögen, welche Maja Osojnik auf Let Them Grow entwirft, bilden allein schon aufgrund ihrer diffusen, bis in die Sub-Strukturen reichenden Vielzahl ein Labyrinth aus Optionen, mit denen sich das Entwickelnde eventuell sogar ausdeuten lässt.

Doch würde eine allzu analytische Lesart den letztlich doch geradezu (und im positiven Sinne) banalen Kern der Angelegenheit verfehlen. Denn es gelingt Maja Osojnik – im Ausdruck einer unentschieden autobiographischen oder auch fiktiven Befindlichkeit – den Fokus auf einen ubiquitär gültigen Komplex zu lenken, der sich selbst angesichts eines Monatsgehalt oberhalb der Armutsgrenze nicht entwirren lässt. Ihre Empfehlung könnte lauten: Lieber die Zweifel statt der Wüsten gedeihen zu lassen. Vor Kontingenz und Entropie gibt es ohnehin kein Entrinnen. Waiting (for the sun to fall).

Maja Osojnik und Patrick Wurzwallner play Let Them Grow live:
13.05. Berlin (Ausland/Jungle World Festival)

mo.klingt.org
majaosojnik.bandcamp.com
rockishell.com (Vinyl)
unrecords.me (CD)

dense.de

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