Dienst nach Vorschrift – die “Strokes” und die Lustlosigkeit von “Comedown Machine”

Die ehedem verheißungsvoll als the next big thing im Rock gefeierten „Strokes“ veröffentlichen mit „Comedown Machine“ nun ihr fünftes Studio-Album. Was stark beginnt, lässt leider noch viel stärker nach. Unterm Strich klingen die 13 neuen Songs uninspiriert und lustlos. Es drängt sich die Frage auf: ist es ausreichend, wenn eine Band Dienst nach Vorschrift verrichtet?

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Immer noch cool, aber nicht mehr spannend: The Strokes. Quelle: thestrokes.com

Immer noch cool, aber nicht mehr spannend: The Strokes. Quelle: thestrokes.com

Denn der Vorwurf, einen 9-5-Job abzuspulen, müsste ja eigentlich der schwerste sein, den man Künstlern machen kann. Bei den Strokes stellt sich sowieso ganz generell die Frage, warum sie sich entschlossen haben, noch eine Platte aufzunehmen. Sänger Julian Casablancas hatte Gefallen am New Wave der 80er gefunden und sich als Solokünstler betätigt; „Angles“, das letzte Album der Band, enttäuschte Fans und Kritik gleichermaßen. Zudem traten Differenzen zwischen den Bandmitgliedern offen zutage.

Ob dem Drängen der Fans nachgegeben wurde oder monetäre Gründe das Hauptmotiv waren, spielt eigentlich auch keine Rolle. „Comedown Machine“ ist im Großen und Ganzen eine Enttäuschung. Zwar mag man es unfair finden, die 5 New Yorker immer wieder an ihrem zurecht gehypten Debut „Is This It?“ von 2001 zu messen. Andererseits ist das nun mal die Latte, die sie sich selbst gelegt haben – man kommt nicht daran vorbei.

Mit „Tap Out“, dem ersten Song, verschießt die Band fast schon ihr komplettes kreatives Pulver. Ein den alten Strokes würdiger Song mit eingängigem Beat und Ohrwurm-Riff von Nick Valensi.

"Comedown Machine". Quelle: thestrokes.com

“Comedown Machine”. Quelle: thestrokes.com

Auch „All the Time“ und „One Way Trigger“, die erste Single, sind unmittelbare, schnörkel- und kompromisslose Rocksongs, mit markanten Riffs, klarer Struktur und ambitioniertem Gesang. Hoffnung keimt auf – sind die alten „Strokes“ zurück? Die Hoffung stirbt früher als erwartet, nämlich schon mit dem nächsten Song:

„What kind of asshole drives a Lotus?“ fragt sich Casablancas in „Welcome To Japan“. Während der Song pomadig vor sich hindudelt, frage ich mich zwischenzeitlich eher, was Casablancas sich bei seinen Texten gedacht hat. Sicher, ein kleiner Bob Dylan steckte noch nie in ihm. Die Texte auf „Comedown Machine“ sind jedoch durchgängig inhaltsleer. Kostprobe gefällig?

March to the war drum
Tigers have pants on
We have no gun
Thank you for staying
“ (auf „Partners in Crime“)

Das ist keine Story; vor allem ist es aber auch nicht witzig oder originell. Warum erzählen die „Strokes“ keine Geschichten mehr in ihren Songs? Worte werden ohne Zusammenhang aneinandergereiht; leider gilt dasselbe für die Musik der Platte, deren Niveau mit dem Titeltrack „80′s Comedown Machine“, einer langatmigen, ziemlich unmelodiösen Nummer neue Tiefen erreicht und auch nicht mehr wirklich daraus auftaucht. Das nachdenkliche „Chances“ könnte mit viel Wohlwollen noch als Versuch gewertet werden, einen ernsthaften Song zu schreiben.

Leider ist die Platte auch stilistisch nicht in sich geschlossen, ganz im Gegenteil: ist das überhaupt noch ein Rockalbum? Verschiedene Stilmixe werden nebeneinandergestellt, das Album beginnt rockig, wird dann einfach langsam und synthielastig. Einen roten Faden sucht man vergeblich. Die beiden letzten Songs „Happy Ending“ und „Call it Fate, Call it Karma“ sind weitere Tiefpunkte eines über weite Strecken lustlosen, hingerotzten Werks, das vor allem durch Ideenlosigkeit und dem Recycling alten Materials besticht.

Die „Strokes“ haben sich mit ihrem fünften Album keinen Gefallen getan. Nur hartgesottene Fans werden dieser routinierten, lethargischen Anhäufung espritloser Tonreihen noch folgen. Die Band hat entweder ihren kreativen Zenit längst überschritten, oder sie hat einfach keine Lust mehr, gute Musik zu machen. Ein sechstes Album macht in beiden Fällen jedenfalls wenig Sinn.

TRACKLIST:
1. Tap Out
2. All The Time
3. One Way Trigger
4. Welcome To Japan
5. 80′s Comedown Machine
6. 50/50
7. Slow Animals
8. Partners In Crime
9. Chances
10. Happy Ending
11. Call It Fate, Call It Karma

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