Interview mit Stefan Fraunberger

„Die einzige Konstante ist Veränderung“

(Stefan Fraunberger)

(Stefan Fraunberger)

amusio: „Um diesem Mord zu entgehen stellst also auch Forderungen an die Rezeptionsleistung deiner Hörer?“

Stefan Fraunberger: Es wäre wünschenswert, wenn sich Hörende ganz allgemein aktiv mit dem Vernommenen auseinandersetzen würden. Selbst dann, wenn der Musik ein Konzept vorangestellt wurde, bleibt die individuelle Wahrnehmung letztlich von den Fakten unabhängig. Auch darum habe ich mich bei den Liner Notes zu Quellgeister 2, Wurmloch zurückgehalten. Die geographische Verortung habe ich zwar preisgegeben, aber von der Warte des Rezipienten aus könnte die Musik ja auch auf einer Raumstation entstanden sein.“

amusio: „Meine Rezeptionsleistung hat das Wissen um die Entstehung von Quellgeister 1 und 2 performativ definiert…“

Stefan Fraunberger: „Das ist nachvollziehbar. Und sicher auch gewollt. Schließlich geht es mir nicht zuletzt darum, anhand des musikalischen Ausdrucks, der an der Peripherie europäischer Kultur in einem durch Migration verlassenen Raum entstanden ist, eine Art Zukunft zu skizzieren. Tatsächlich finden Quellgeister in einer Raumstation statt, die an Wurmlöchern forscht. Manchmal kommt die Station nahe an den Ereignishorizont heran.“

amusio: „Inwiefern rekurriert der Titel Quellgeister auf Jakob Böhme? Und lassen die von ihm benannten sieben Quellgeister auf insgesamt sieben, also auf fünf weitere Veröffentlichungen schließen?“

Stefan Fraunberger: „ Ja, es sind insgesamt sieben oder gar acht Quellgeister-Veröffentlichungen geplant. 2009, im Zeitraum der Aufnahmen zur ersten Folge, habe ich Böhmes Aurora gelesen. Dieser mystische Text erinnerte mich an Inhalte arabischer oder persischer Literatur, die ich in der deutschen Literatur und europäischen Philosophiegeschichte immer vermisst hatte. Bei Jakob Böhme bin ich fündig geworden. Er hat sich getraut, Tacheles zu reden, ohne Rücksicht auf ein akademisches Mandat. So wurde mir klar, dass ich die Reihe nach seinem System der Quellgeister benennen würde, auch wenn ich nicht beabsichtige, mich inhaltlich konkret an dem jeweils vorangestellten Quellgeist auszurichten. Hierarchien in den Attributen der Zustände sind eben nicht verständlich.“

amusio: „Verfolgst du eine einheitliche Veröffentlichungspolitik? Und wie erklärt sich der zeitliche Abstand zwischen Quellgeister 1 und Quellgeister 2 ‘Wurmloch’?“

Stefan Fraunberger: „Vorerst wünsche ich mir Veröffentlichungen ausschließlich auf Vinyl. Zwar gibt es Quellgeister auch auf Soundcloud und Bandcamp, doch erscheint mir Vinyl als die einzig richtige Form der Vervielfältigung zu sein. Schon alleine ob der Physikalität des Mediums. Es geht hier auch um eine Verkörperlichung des Geistigen und nicht um eine Elektrifizierung des Nichts. Die bereits 2009 entstandenen Aufnahmen hätten auf dem israelischen Label T’an Kaven Ash erscheinen sollen. Doch das hatte mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Somit kam das Material 2014 auf dem Label Chmafu Nocords heraus.“

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