Amphi-Amplifikatoren (2)

Interview mit Simone Salvatori (Spiritual Front)

Seit geraumer Zeit irritiert und begeistert der Römer Simone Salvatori als Vorstand der Spiritual Front Freunde und Gegner. Seine von manchen als brüskierend empfundenen Plädoyers für freie Liebe (und eben auch Sex) als Urgrund jeglicher Toleranz und Humanität, die er in schwungvoll-pathetischen Neofolkpop einkleidet, polarisieren. Weil in seiner Vision mehr Sperma zu fließen hat als Blut oder Tränen. Und weil – aus seiner Erfahrung – gerade dort eine ausgeprägte Lust am Leben Ambach ist, wo man sie gemeinhin eher weniger vermutet.

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(amphi-festival.de)

(amphi-festival.de)

Zum bereits dritten Mal spielen Spiritual Front zum Amphi Festival auf. Dass Simone Salvatori die besondere Stimmung des Ereignisses, das Ambiente und das Publikum, zu schätzen weiß, vibriert in seiner Stimme mit, auch wenn wir im Gespräch nicht nur über Kölner Verhältnisse parlieren.

amusio: „Ciao Simone, zum dritten Mal heißt euch das Amphi willkommen. Lässt sich davon eine gewisse Wertigkeit oder Anerkennung ableiten?“

Simone Salvatori: „Sicher. Vielleicht auch in dem Sinne, dass wir uns von den anderen Bands doch deutlich unterscheiden. Wir dürfen zu noch mehr Vielfalt beitragen. Der Mix aus Szene-Mainstream und Spezialitäten macht das Amphi so besonders. Wir hatten nur gute Erfahrungen und freuen uns sehr auf das nun anstehende nächste Mal.“

amusio: „Ihr seit ohnehin eine Band, die gerne auf Festivals vertreten ist. Ich habe euch zum Beispiel zwei Mal in Portugal gesehen, beim Entremuralhas und davor beim Paredes de Coura…“

Simone Salvatori: „Portugal, ein Land, dem ich mich besonders verbunden fühle, verfügt über eine andere Art, die Szene zu interpretieren. Die Szene ist klein und kann sich nicht so einfach bedienen lassen, wie das etwa in Deutschland der Fall ist. Paredes da Coura war damals indes eine Sache, die auf einen speziellen Manager zurückging, der ohne Rücksicht auf Kompatibilität buchte. Na gut, es hatte was. Mit Entremuralhas verbindet mich dagegen sehr sehr viel. Ich hoffe, wieder dort spielen zu können. Entremuralhas ist fantastisch!“

amusio: „War die Split-CD mit Lydia Lunch und Cypress Grove, Twin Horses, auch so eine fantastische Angelegenheit? Ich frage danach, weil einige Kollegen nicht geschnallt haben, dass eine Seite von dir, und eben nicht von Lydia und Cypress stammt…“

Simone Salvatori: „Ganz ehrlich, ich kenne Lydia nicht persönlich. Nicht wirklich. Und sie ist mir auch egal. Cypress ist mir sympathischer. Er redet nicht viel, erscheint mir aber offener und warmherziger zu sein. Aber, mal unter uns: Nur weil man eine Split-CD gemacht hat, die zudem auf Betreiben des Rustblade Label-Eigners entstanden ist, muss man sich nicht gleich ineinander verlieben.“

amusio: „Machen wir einen Haken drunter. Du spielst bevorzugt in Gegenden, wo man die Akzeptanz deiner sexuellen und somit auch ideellen Freizügigkeit eher weniger vermutet…“

Simone Salvatori: „Du meinst in Ost-Europa?“

amusio: „Und dort vor allem in Russland.“

Simone Salvatori: „Ich habe in Russland ganz andere Erfahrungen gemacht, als die von der westlichen Propaganda vermittelten. Natürlich sind viele Russen old school. Aber zu unseren Konzerten kommen sogar auch Leute, die gar nichts mit der Gothic Szene zu tun haben. Und doch könnte ich anschließend einen Dessous-Laden eröffnen, da vor allem auch junge Mädchen mir ihre Unterwäsche vor die Füße schmeißen. Und niemand regt sich darüber auf, weder die Schwulen, noch die Heten oder sonst wer. Und ich kann nicht glauben, dass ich eine Ausnahme bin. Das Russland, das ich erlebe, ist modern, freigeistig und liberal. Da könnten sich, bitte keine Pauschalisierung einschreiben, die Briten eine Scheibe von abschneiden.“

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