Die Oboe da caccia - Für das Konzert oder ...

Zu Weidmanns Heil?

In ihrer Funktion als Orchesterinstrument ist die Oboe in ihrer “modernen” Form bekanntlich erst seit Jean-Baptiste Lullys Marche de Hautbois aus seiner 1664 komponierten Oper Les plaisirs de l’isle enchantée greifbar. Vermutlich wurde sie zehn Jahre zuvor von Jean de Hotteterre und Michel Danican Philidor erstmals in Paris angefertigt. Bei der gebogenen Oboe da caccia, die mit der Jagd in Verbindung steht, handelt es sich dagegen um ein weiterentwickeltes Instrument aus der Familie der Altpommer. Sie wurde ursprünglich ohne die typische Rohrwölbung am Schallstück, sondern blütenkelchförmig wie bei der Trompete konstruiert und ist in F gestimmt.

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Im Gegensatz zur modernen Oboe handelt es sich bei der "Jagdausführung" da caccia um ein im Diskant erklingendes, gebogenes Instrument (Takashi Ogawa, Bach-Gesellschaft Wiesbaden, GNU Free Doc. Lic.).

Im Gegensatz zur modernen Oboe handelt es sich bei der “Jagdausführung” da caccia um ein im Diskant erklingendes, gebogenes Instrument (Takashi Ogawa, Bach-Gesellschaft Wiesbaden, GNU Free Doc. Lic.).

Mit dem wehmütigen Klang des cor anglais, auch Englischhorn genannt, weist die tiefer, nämlich in Altlage ertönende Oboe da caccia allerdings keine Ähnlichkeit auf. Erst um 1820 kann von einem geradlinigen Tubus gesprochen werden, da besonders in Frankreich aus (transport-)praktischen Gründen eine gewinkelte oder gebogene Form noch über das gesamte 18. Jahrhundert bevorzugt wurde. Wegen ihres “angenehmen” Tons, den Zedlers Universal-Lexicon 1732 feststellt, soll sie in der Jagdsaison de facto von abends bis morgens gebraucht worden sein. Wie die im Grunde bis heute bei der Jagd bevorzugten Corni da caccia unterliegen die nur hier im Zusammenhang mit der Jagd genannten Oboen der Quintstimmung, was sie für ein gemeinsames Spiel mit diesen prädestinieren würde – was aber bislang nicht dokumentiert werden konnte.

Unter (wenigen) anderen komponierte der venezianische Oboist G.B. Ferrandini (1710 - 1791) für die Oboe da caccia (Heinrich Eduard Winter: G.B. Ferrandini, Bibl. nat. de France, Gallica Digital Library, p.d.).

Unter (wenigen) anderen komponierte der venezianische Oboist G.B. Ferrandini (1710 – 1791) für die Oboe da caccia (Heinrich Eduard Winter: G.B. Ferrandini, Bibl. nat. de France, Gallica Digital Library, p.d.).

 

Das in Deutschland erstmals von Johann Eichentopf in Leipzig gebaute Instrument, das museal in Stockholm und Kopenhagen - allerdings in unbespielbarem Zustand – zu besichtigen ist, verwendete neben J.S. Bach, Johann Friedrich Fasch und Christoph Graupner auch ein venezianischer Repräsentant der Vorklassik, der Oboist Giovanni Battista Ferrandini (1710 – 1791), der später in der Münchner Hofkapelle spielte. Hier trat dieser 1753 mit seiner Oper Catone in Utica anlässlich der Eröffnung des Residenztheaters hervor, was ihm in deutschen Landen einen höheren Bekanntheitsgrad sicherte. J.S. Bach verwendete die Oboe da caccia mit Vorliebe in seinen großen Oratorien und Kantaten, da das Instrument den religiös-innigen und warmen Ton der Holzbläserensembles im Orchester in idealer Weise zu ergänzen vermochte.

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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