Wild Beasts - Boy King

Sex, Tod, Apokalypse

„Ich denke, Boy King ist eine apokalyptische Scheibe. Sie handelt davon, wie wir am Abgrund treiben. Wenn du über Sex nachdenkst, musst du auch über den Tod nachdenken, es ist eins und dasselbe“, befindet Oberbiest Hayden Thorpe – und scheint da etwas durcheinander zu bringen, was auf dem vierten Album (ab Freitag via Domino/GoodToGo) gar nicht den Anspruch erhebt, entsprechende Weisheiten mit überdimensionierten Löffeln gefressen zu haben. Boy King verbleibt eher kühl und analytisch, Eros und Thanatos im Plural versöhnt.

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Wild Beasts: "Boy King" (Domino/GoodToGo)

Wild Beasts: “Boy King” (Domino/GoodToGo)

Nachdem der Vorgänger Present Tense Lektionen in sympathisch schleichender Überheblichkeit erteilte, versucht sich Boy King an expliziter Bodenständigkeit. So wundert es kaum, dass sich das neue Album nahezu komplett und fett durchtanzen lässt. Vorausgesetzt, man bleibt nicht an den subtil wirksamen Melodien kleben, die Thorpes Falsett koroniert. Eine gewisse Gehetztheit, die der thematisch vorgegeben Torschlusspanik geschuldet sein mag, korrigiert derweil das Narrativ sexualisierter Zweifel und Verzweiflung.

Die bereits im Titel veranschlagte Auseinandersetzung mit dem maskulinen Dilemma, nur als Kindskopf zur angetragenen (und heutzutage vielfach doch verwehrten) Imago zu gelangen, manifestiert sich in ulkigen Details, mehr noch als in den stellenweise etwas zu aufgesetzt geratenen Lyrics. Ponytail ist für dieses Phänomen wohl das auffälligste Beispiel. Die durchgängig angeschrägten Keys konkurrieren mit der Politik einer Artikulierung von Klartext.

Wild Beasts (Tom Andrew)

Wild Beasts (Tom Andrew)

Hierin liegt der ungemeine Reiz eines Albums, das die an sich selbst gerichteten Erwartungen recht bequem pulverisiert. Das mit selten gehörter Dynamik aufwartende Eat Your Heart Out sowie das überzeugt elegische Dreamliner lösen zu guter Letzt jegliche Zweifel an der Güte des Albums gleichermaßen in Wohlgefallen auf. Beeindruckend, aber nicht aufdringlich. Trotz der hochtrabenden Sujets.

Interview (zu Present Tensehier.

Konzerte dort:

24.09. Hamburg (Reeperbahn Festival)
16.10. Köln (Luxor)
20.10. Berlin (Kesselhaus)

wild-beasts.co.uk
facebook.com/wildbeasts

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