Ed Harcourt - Furnaces

Triebtäter im Geiste

„Wo brennts? Kann man löschen?“ – wo ein Eddie Constantine einst stets zur Stelle war, um die Flammen von Leidenschaft und Verderben im Zaume zu halten, hat sich der britische Ex-New Acoustic Ed Harcourt anlässlich seines siebten Albums Furnaces (Polydor/Universal) vorgenommen, stets noch extra Öl in den Brei zu brocken. So ist eine „heiße Scheibe“ entstanden, die unter der Obhut von Produzenten-Dioskur Flood jene Grobschlächtigkeit erhalten hat, die sie zur Glaubwürdigkeit im Ergebnis auch benötigt.

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Ed Harcourt: "Furnaces" (Polydor/Universal)

Ed Harcourt: “Furnaces” (Polydor/Universal)

Ed Harcourt, vielbeschäftigter Songschreiber im Auftrag und etwas ins Abseits geratener Singer in eigener Sache, räumt mit seiner Weicheierei auf. Es wird geil, heiß und schmutzig, wenn auch nie so kaputt wie beim seit jeher ins Spiel gebrachten Vorbild: Tom Waits. Doch gerade weil die Räudigkeit dem guten Ed Harcourt trotz aller Mühen abgeht, erhält sein Album den seltenen Reiz einer uneingestandenen Zerrissenheit, die eines Triebtäters im Geiste.

Dabei tritt Ed Harcourt mit (s)einem Dreamteam an: Tom Herbert (The Invisible) am Bass, Stella Mozgawa (Warpaint) an Blechen und Fellen sowie Hannah Lou Clark (Backing Vox) und Michael Blair (Perkussion), die beide eine gewisse professionelle Nähe zu, eben, Tom Waits auszeichnet. Auch die Wahl des Artwork-Artist mag einem wahr gewordenen Traum entsprungen zu sein, denn kein Geringerer als der eng mit Hunter S. Thompson verbandelte Ralph Steadman ließ die Welt für Furnaces mal wieder in Flammen aufgehen. Derart rundum ausgestattet, verschwendet Ed Harcourt auch keinen offenbaren Gedanken an irgendein Glaubwürdigkeitsdefizit. Sondern klotzt, wo er früher vielleicht nur ansatzweise gekleckert hat.

„Let’s make a record that people can cry, fuck and fight to“, meinte der selbstermannte Dark Crooner zu seinem Produzenten. Ohne nun zu sehr auf den emotional determinierten Hormonhaushalt der Beteiligten herumzureiten, lässt sich konstatieren, dass die Sublimation auf Dauer doch die Überhand behält. Und es ist genau dieses Spannungsverhältnis zwischen Elend, Lust und Trotz auf der einen, und der wohlbehüteten Rest-Containance auf der anderen Seite, das aus Furnaces ein außeralltägliches Album macht, welches seine volatilen Emphasen ins gediegen Spröde verkehrt, und umgekehrt.

edharcourt.com
facebook.com/edharcourtuk

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