Skandinavisches Gewitter sorgt für Auffrischung

Flugblatt aus Norwegen

Dank sei Guido Fischer, denn erst kürzlich machte er uns aufmerksam auf eine Einspielung neuerer symphonischer Meisterstücke der für gegenwärtige und zukünftige Tendenzen repräsentativen Komponisten Henrik Hellstenius und Ørjan Matre. Es wurden hiermit gleichzeitig zwei wichtige Anliegen unter Dach und Fach gebracht: Denn einmal lenkte er den Blick auf eine in ganz Europa viel zu selten zur Kenntnis genommene norwegische Neue-Musik-Bewegung, zum anderen auf das ebenso inspirierte wie zupackende Stavanger Symphony Orchestra.

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Eines der bedeutenden norwegischen Symphonieorchester hat seinen Sitz nicht in Oslo, sondern in Stavanger; bereits Fabio Biondi, Frans Brüggen und Philippe Herreweghe vertraten als Dirigenten hier die Sektion für Alte Musik (Boye Strøm 1889, Topografisk-Statistisk Beskrivelse over Stavanger Amt; Den Private Opmaaling, Kristiania, US p.d.).

Eines der bedeutenden norwegischen Symphonieorchester hat seinen Sitz nicht in Oslo, sondern in Stavanger; bereits Fabio Biondi, Frans Brüggen und Philippe Herreweghe vertraten als Dirigenten hier die Sektion für Alte Musik (Boye Strøm 1889, Topografisk-Statistisk Beskrivelse over Stavanger Amt; Den Private Opmaaling, Kristiania, US p.d.).

Bei der vorliegenden Aufnahme von zwei Violinkonzerten und zwei pointiert “exzentrischen” Orchesterwerken der beiden 1963 und 1979 geborenen Schüler von Olav Anton Thommessen begleitet das unter Steven Sloane und Susanna Mälkki geschulte Orchester den Geiger Peter Herresthal in seinen alle nur denkbaren Intervalle auslotenden Soli; am Pult stand für die Aufnahme ein Experte für skandinavische Gegenwartsmusik, der unter anderem an der Sibelius-Akademie in Helsinki ausgebildete Dirigent Rolf Gupta.

Das für klangliche Experimente offene Symphonieorchester von Stavanger blickt bereits auf eine ansehnliche Diskographie zurück, die besonders Werke wichtiger, aber gegensätzlicher Vertreter der Generationen vor Olav Thommessen, nämlich von Harald Sæverud (1897 – 1992) und dem Bergener Geirr Tveitt (1908 – 1981) einschließt.

Die Konzerthalle von Stavanger beherbergt das 1938 vom Norwegischen Rundfunk begründete Symphonieorchester, das seit 2013 von Christian Vázquez geleitete Orchester (Jarle Vines, 25.3.2013, CC BY SA Lic.).

Die Konzerthalle von Stavanger beherbergt das 1938 vom Norwegischen Rundfunk begründete Symphonieorchester, das seit 2013 von Christian Vásquez geleitet wird (Jarle Vines, 25.3.2013, CC BY SA Lic.).

Während sich ersterer vor allem der symphonischen Musik auch als Protest gegen die Besetzung durch Nazi-Deutschland bediente, bezog letzterer als aktiver Pianist einmal das Klavier, zunehmend aber die heimatliche Folklore in sein Schaffen ein; daraus resultierten auch seine Werke für die landestypische Hardanger-Fidel und Orchester.

Peter Herresthal lotet in dieser Aufnahme unter Rolf Gupta mit dem Stavanger Symphonieorchester wieder einmal die ganze Palette seiner Klangfarbenkunst aus (BIS Records 2016, B01BDN5PXO).

Peter Herresthal fächert in dieser Aufnahme unter Rolf Gupta mit dem Stavanger Symphonieorchester wieder einmal die ganze Palette seiner Klangfarbenkunst auf (BIS Records 2016, B01BDN5PXO).

 

Hierin liegt wohl auch ein Anknüpfungspunkt für die jüngeren Komponisten Henrik Hellstenius und Ørjan Matre, denn sie setzen sich in ihren Violinkonzerten mit der europäischen, im 19. Jahrhundert stark von der Leipziger Schule geprägten Tradition als auch mit der indigen norwegischen auseinander. Matre erhielt im Jahr 2012 den Edvard-Preis für sein Klarinettenkonzert Inside Out und kann auf der aktuellen CD erstmals seine gleichermaßen unkonventionelle von eigenen Vorstellungen geleitete Skizze preSage – entstanden zwischen 2013 und 2015 – als Vorstudie zu Igor Strawinskys Frühlingsopfer einem weitaus größeren Publikum präsentieren. Beinahe noch ungewöhnlicher erscheint Henrik Hellstenius’ Like Objects in A Dark Room, in dem er offen die Alzheimer-Erkrankung seines verstorbenen Vaters klanglich thematisiert.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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