Köln, 10. September 2016

Schonwald zurück im Blue Shell

Die inzwischen wohl glücklich vermählten Alessandra Gismondi und Luca Bandini aus Venetien beehren die Nordseite der Alpen – und schlagen als erstes, natürlich, im Club der Wahl auf. Wenn ihr immens charmanter (Minimal) Dark Wave die ehrwürdigen Wände des Shell erneut (ihr Gig mit Tropic Of Cancer im vergangenen Herbst dürfte allen Anwesenden noch in bester Erinnerung geblieben sein) lüstern erzittern lassen, bleiben Gänsehäute Protokoll. In diesem Sinne hier noch einmal das Interview mit den beiden Überzeugungstätern, die diesmal sicher auch Kopien ihres aktuellen Albums Between Parallel Lines mitbringen werden. Wenn nicht gar schon erste Previews des Nachfolgers. Die Whispering Sons aus Belgien sowie Bleib Modern (mit ihrem superben Album Veil Of Tears) kommen auch. Liebe macht kreativ. Und spielfreudig.

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Schonwald (Damien Lafargue)

Schonwald (Damien Lafargue)

amusio: „Ciao Alessandra, ciao Luca, lasst uns über den Titel eures neuen Albums einsteigen, Between Parallel Lights…“

Schonwald: „Der Titel ist von einem Traum inspiriert, der einem von uns beiden vor rund drei Jahren des Nachts widerfuhr. Vereinfacht gesagt, meint der Titel zwei Lichter, die uns durch eine an sich sinnlose Reise führend geleiten.“

amusio: „Was liegt zwischen den beiden Lichtern? Raum oder zumindest eine Art räumliche Wahrnehmung?“

Schonwald: „Es ist ein sehr intimer Raum, der sich zwischen uns befindet. In ihm können wir uns verlieren und finden, sobald wir ihn aufsuchen. Es ist ein Ort der Sicherheit.“

amusio: „Parallelen treffen sich in der Unendlichkeit. Spielt der Albumtitel auch auf Entropie und Auslöschung, im Sinne einer gegenseitigen Aufhebung, an?

Schonwald: „Zwar kann es eine Unendlichkeit in Bezug auf das Licht nicht geben, da das Licht selbst keine Wahrnehmung von Endlichkeit besitzt. Das Licht wahrzunehmen, bleibt letztlich immer eine subjektive Erfahrung. Aber der Idee von Entropie, Auslöschung und gegenseitiger Aufhebung stimmen wir im Zusammenhang mit dem Albumtitel durchaus zu.“

amusio: „Das Artwork besteht aus Linien, die Strukturen bilden. Diese können der Form nach auch als architektonisch urban gedeutet werden. Wie deutet ihr dieses eindrucksvolle Key Visual?“

Schonwald: „Wie schon bei dem Vorgängeralbum Dream For The Fall haben wir die französische Künstlerin Myriam Barchechat um die Gestaltung des Artworks gebeten. Diesmal hat sie eine befreundete Künstlerin, Gregoire Belot, dabei unterstützt. Wir haben uns sofort in den Entwurf verliebt, vor allem weil er einen ganz eigenartigen Effekt der Dreidimensionalität erzeugt. Wir spüren, dass dieses Artwork mit den Songs des Albums korrespondiert und sie repräsentiert. Selbst wenn wir die eigentliche Idee oder die Intentionen der beiden Schöpferinnen selbst gar nicht kennen. Und somit auch nicht erklären können.“

amusio: „Between Parallel Lines unterscheidet sich von seinen Vorgängern. Einerseits erscheinen die Tracks direkter und fokussierter veranlagt zu sein. Andererseits geht von dem neuen Material eine bislang von euch eher ungewohnte Kälte und Kargheit aus. Einverstanden?“

Schonwald: „Absolut!“

amusio: „Spiegelt sich hier auch eine persönliche Evolution wider?“

Schonwald: „Das denken wir schon, wenn sich auch an unserem Kompositions- und Aufnahmeprozess im Wesentlichen nichts geändert hat. Wir haben jedoch mit jeder Menge neuer Synthesizer und Effekten gearbeitet. So lange, bis wir nach einigen Monaten gemerkt haben, dass wir uns endlich auf dem für uns richtigen Weg befanden. Dann haben wir auch damit aufgehört, uns ständig neues Equipment zuzulegen (lachen).“

amusio: „Habt ihr euch, vielleicht auch unbewusst, einem gewissen Sound angenähert? Einem Sound, der gemeinhin mit den von euch in Verbindung gebrachten Genres assoziiert wird?“

Schonwald: „Bewusst ganz sicher nicht. Wir glauben nicht, dass man sich künstlerisch erfolgreich irgendwo annähern kann, wenn dies nicht auf einem völlig natürlichen und authentischen Wege geschieht. Wir musizieren mit extremer Demut. Und ohne irgendwelche Erwartungen daran zu knüpfen.“

amusio: „Und wie steht es um die Erlangung einer von außen identifizierbaren Identität, einer Signatur?“

Schonwald: „Wir wollen unsere Musik so gut machen, wie wir sie hinbekommen können. Nur darum geht es uns. Da wir uns dabei von unserer Biografie inspirieren lassen, führt unsere Musik zwangsläufig zu einem authentischen Ausdruck. Wir können nur originell sein. Ob wir auch als originell wahrgenommen werden, entzieht sich unserer Macht. Und unserem Interesse.“

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