George Leitenberger - Autovía

Magische Magenbitter, gütige Gemütsschmeichler

Das Bassklarinetten-Solo von Marie Mercier gibt ganz zu Beginn den Grundtenor von Autovía (nuit blanche recordings/Phonector, ab Freitag) vor: Das Stimmungsbarometer wird auch im weiteren Verlauf der Ereignisse nicht vor lauter Hast oder Erregung von der angestammten Wand fallen. Der inzwischen am Genfer See ansässig gewordene George Leitenberger versteht sich auf das kunstfertig gefällige Verweben behutsamer Anschläge, behält sich dabei sanfte Schärfen und gerundete Spitzen dem gesanglichen Part vor. So wirkt sein Album gleichermaßen verblümt und direkt zugleich. Doch so sehr er auch vorformulierte Effekte zu erzielen versuchen mag: Die kontingente Magie von Songs und Arrangements unterläuft seine ehrenwerte Absicht.

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George Leitenberger: "Autovía" (nuit blanche recordings/Phonector)

George Leitenberger: “Autovía” (nuit blanche recordings/Phonector)

Nicht nur aufgrund seiner aktuellen Wahlheimat wähnt sich der Ex-Berliner George Leitenberger in der Nähe zu Stephan Eicher. Dieser Versuch einer Verortung soll möglicherweise eine letztlich doch wesentlicher plausiblere Referenz kaschieren: André Heller. Immer wieder dringt er durch, der Universalträumer aus Wien, bei Genève oder Mit aufrechtem Gang etwa beinahe schon ins Parodistische vor. Dass ein Manfred Maurenbrecher daran einen – fürs Cover zitierfähigen – Gefallen findet, muss indes nicht beunruhigen. Autovía entwickelt mit jeder sorgsam gewählten Phrasierung eine greifbare Autonomie, die sich vor niemandem zu verstecken braucht, der an „handgemachter“ Musik nicht zuletzt ihren Nutzwert zu schätzen weiß.

Und überhaupt: Autovía! Der Titelsong brilliert als authentisch gezeichnetes Nocturne, dessen Nachvollziehbarkeit letztlich noch nicht einmal auf den subjektiven Erfahrungen des Hörers beruhen muss. Hier gelingt George Leitenberger, was ihm über weite Strecken elegant entgleitet: Narrative Griffigkeit, die sich der Doppeldeutigkeit sowie der freien Interpretation weitgehend entzieht (von dem allzu eindeutigen Bigdatores einmal ganz abgesehen). So umwerfend dieser geradezu cinematographisch luzide Song, so überraschend der Ausklang von Autovía: Mit über fünfzehn Minuten Laufzeit hantiert Von Wegen samt seiner offenen Balladenform derart geschickt mit Spannungsentzug, dass der Eindruck entsteht, man habe soeben ein kurzes Outro, einem Neben- oder Nachsatz gleich, vernommen. Was man von Fernet Branca behauptet, wird bei George Leitenberger zur Gewissheit.

18.09. Berlin (Zimmer 16) – mit Roddy McKinnon
13.10. Bad Wildbad (Freiraum)
15.10. Irsingen-Pforzheim (Amtskeller)

georgeleitenberger.com

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