Alice Russell „To Dust“ – Soul mit Beats und Gospel-Chor

Alice Russell, die Britin mit der Power-Soulstimme, ist völlig zu Unrecht noch so unbekannt in deutschen Landen. Bereits seit 2004 veröffentlicht sie Musik und tritt gerne mit vielköpfiger Band und so richtig Tamtam und Selbstbewusstsein auf. Auch die Großen zählen sich zu ihren Fans, etwa Talking Head David Byrne oder Daddy G von Massive Attack. Nun kredenzt sie uns ihr neuestes Werk „To Dust“ und bestätigt sich nur selbst, wenn sie von sich und ihrem Produzenten TM Juke behauptet: „Also Puristen sind wir nicht.“

Administriere bereits ab €0,- Deine Musikschule!

Alice Russells soul-gospeliges Album "To Dust" / Foto: Differ-ant (Groove Attack)

Alice Russells soul-gospeliges Album “To Dust” / Foto: Differ-ant (Groove Attack)

Tatsächlich ist ihr fünftes Studioalbum ein bunter Genre- und Instrumenten-Mix, garniert mit ihrer kraftvollen Stimme, und irgendwie nur einzuordnen im Äther zwischen Soul, R’n’B, Gospel und Poprock. Das mag sicherlich auch daran liegen, dass sie in ihrer Kindheit und Jugend von den verschiedensten Stilrichtungen beeinflusst wurde: Als Tochter eines Organisten wuchs sie mit klassischen Klangfarben auf, interessierte sich jedoch schon früh für Soul-Künstler und Gospel-Musik.

Und dieser Einfluss ist bereits beim ersten Song „A to Z“ hörbar, der dazu noch ein textlich kluges Alphabet-Gedicht ist und irgendwie an eine soulige Sesamstraßen-Episode erinnert. Wie bei allen Songs auf dem Album bewegt sich Alice Russell gekonnt zwischen Soul und Gospel – inklusive Gospel-Chor. Kräftige (Tanz-)Beats begleiten ihre Stücke, so auch das titelgebende „To Dust“.

Laut Alice Russell ist dies eine Ode ans Finanzamt und alle anderen ähnlich überflüssigen Dinge. „The more I pay, the less I feel“ heißt es da auch ganz passend in der souligen Hymne auf ihren Briefträger, gegen den sie eine Abneigung entwickelte, weil er ihr eine Reihe unschöner Briefe gebracht hatte. Man muss ihm allerdings geradezu dankbar sein, da dieses Album-Highlight sonst wohl nie das Licht der Musikwelt erblickt hätte!

Ein eigentlich einfacher Beat aus Klavier, Drums, Klatschen und dem obligatorischen Background-Chor begleitet Alice Russells leicht rauchige Stimme bei dem Kampfsong „Citizens“. Zugegebenermaßen ist das Lied für einen Ruf zu den Waffen musikalisch ziemlich bodenständig geblieben – wenig wild und ohne Kampfschreie –, weshalb man die Aufforderung auch nur mit etwas textlichem Hintergrundwissen versteht. Was die Lyrics angeht, ist Alice Russell jedoch erstaunlich erfrischend: Neben Liebe geht es hier auch mal um ganz andere Dinge, siehe Finanzamt.

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Kathrin Tschorn

Kathrin Tschorn | Freiberufliche Musikredakteurin und Lektorin, beheimatet in Berlin. Stets Musik aus den Bereichen Pop, Rock, Indie, Jazz sowie allem dazwischen auf den Ohren und eine Tastatur unter den Fingern.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>