Interview mit Matthew Cooper (Eluvium)

„Meine Musik ist Ausdruck der Lebensfreude“

Mit seinem achten Album als Eluvium hat der in Tennessee residierende Matthew Cooper ein Werk erschaffen, das ausgehend von der Auseinandersetzung mit dem Phänomen kognitiver Dissonanz eine eigentümliche Harmonie schürt, die am Verdacht mentaler Unversehrtheit rührt. False Readings On (Temporary Residence/Cargo) ergeht sich in Ahnungen von Schönheit und Hoffnung, tangiert dabei das, was wir als sakral empfinden – so wir wieder mal unserem Zwist aus Ratio und Emotion erliegen. Zeit für ein Gespräch.

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Matthew Cooper, Eluvium (Noel Javier)

Matthew Cooper, Eluvium (Noel Javier)

amusio: „Hi Matthew, gab es einen bestimmten Auslöser, das neue Album dem Phänomen der kognitiven Dissonanz zu widmen?“

Matthew Cooper: „Ursächlich entstammt das Konzept meines Nachdenkens über die Art und Weise, wie Menschen ihr Leben an ihrem Glauben ausrichten. Und wie sie damit umgehen, wenn ihr Glaube, ihre Hoffnung, letztlich ihr Dafürhalten – an den dem eigenen Gutdünken überlegenen Realitäten scheitern. Kognitive Dissonanz ist Teil unserer alltäglichen Erfahrung. Mir ging es darum zu untersuchen, wie es Menschen vermögen, ihr Irren der neutralen Wahrheit anzupassen. Wie persönliche Glaubenssysteme, auch im Scheitern, das Denken und den Charakter prägen. Der Auslöser, mich mittels der Musik diesen Vollzugsformen des Selbstbetrugs zu nähern, ergab sich also aus einer geschärft perspektivistischen Wahrnehmung: Wie korrelieren Fehlinformation und Glaube?“

amusio: „Leidest du persönlich auch an kognitiver Dissonanz?“

Matthew Cooper: „Ja sicher, wie wir alle. Aber vielleicht ist der Begriff des Leidens nicht angemessen. Kognitive Dissonanz ist ja auch eine Folge des Versuchs, die Dinge in Ordnung zu bringen und sie nicht ständig der Verlogenheit überführen zu müssen. Allein dass diese Art der Sinnsuche, auch als Kulturtechnik, zur baren Verfehlung verführen kann, mag Leiden schüren. Doch das ist Theorie, das Leiden stellt sich in der Praxis wohl wieder ganz anders dar.“

amusio: „Inwiefern schließt False Readings On zu deinen vorherigen Arbeiten an?“

Matthew Cooper: „Vermutlich in dem Sinne, dass es nach wie vor einen Unterschied zwischen der Intention des Schöpfers und der Rezeption seines Publikums zu konstatieren gilt. Viele empfinden meine Musik als melancholisch, traurig oder sogar deprimierend. Aber so empfinde ich mein Wirken absolut nicht. Im Gegenteil: Meine Musik ist Ausdruck der Lebensfreude sowie meiner Neugierde am Mysterium des Lebens. Aber zugegeben: Bei False Readings On verhielt es sich etwas anders. Diese Aufnahmen unterliegen einem Prozess, der extrem schwierig zu vollziehen war. Und etwas Destruktives an sich hatte. Und was passiert? Die Hörer empfinden die Musik als friedvoll, freudig und schön. Es ist, mal wieder, alles eine Frage der Perspektive (lacht).“

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