Interview mit Paolo Ga'Iba Riva (PGR)

„Stagnation nervt”

Es war an dem aus künstlerischen Erwägungen von Mailand nach Oslo gegegangen Paolo Ga’Iba Riva, um als zuvor unangekündigtem Extra das Noise Testament Festival zu Berlin-Friedrichshain mit einer gehörigen Lärm-Orgie nach Merzbow-Art zu beschließen. Stunden später erweist sich der Überraschungsgast als versierter Musiker, der gute Gründe vorzuweisen hat, um das am Konservatorium Erlernte gewinnbringend ins Spannungsfeld zwischen Noise und Improvisation einzubringen. Den aus Frankreich stammenden Kollegen Huébault Imm bringt er gleich mit.

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PGR at Noise Testament Berlin (Stephan Wolf)

PGR at Noise Testament Berlin (Stephan Wolf)

amusio: „Ciao Paolo – Hi Huébault – wie kam es vorhin zur spontanen Teilnahme am Festival, Paolo?“

Paolo Ga’Iba Riva: „Ich war sozusagen auf dem Weg. Zurück von einer zehntägigen Tour in der Ukraine, gemeinsam mit den niederländischen Fucking Bastards. Eine, wie ich finde, reizvolle Kombination, die vor Ort auch sehr gut angenommen wurde. Anlässlich meines Zwischenstopps hier in Berlin meinte der Soundmann, dass ich doch gut und gerne noch mal meinen Koffer auspacken könne. Da habe ich mich nicht lange bitten lassen. Schade nur, dass ich aus technischen Gründen keine Zugabe mehr bieten konnte.“

amusio: „Als aktiver Musiker in so genannten extremen Bereichen kommt man heutzutage viel rum, oder?“

Paolo Ga’Iba Riva: „Das Internet ist das alles schuld (lacht). Heute können sich Musiker und Musikliebhaber immens schnell auf etwas einigen, was zuvor nur in den jeweils vorhandenen, individualisiert abgeschirmten Köpfen verbleiben musste. Ich denke, dass das erstaunliche Interesse an neuer, wenn auch nicht an akademisch verbrieft Neuer Musik als eine Folge der globalen Kommunikation zu erklären oder zu deuten ist. Und mit der dadurch einhergehenden Neugierde. Immer mehr Menschen, vor allem auch junge Leute, sind es satt: Klassik, Jazz, Rock – die Stagnation nervt sie, mit ihr die ständige Wiederholung des Bekannten. So versuche ich, sozusagen zurück zu nerven. Menschen suchen alternative Reize, die ihrem Empfinden – und ihrem letztlich doch unvorhersehbaren Leben – tatsächlich entsprechen. Hiphop vielleicht oder eben – Noise. Als Sprache des Unaussprechlichen.“

amusio: „Aber im Bereich der extremen, oder zumindest experimentellen Musik herrscht doch auch Wiederholung vor, oder?“

Paolo Ga’Iba Riva: „Das stimmt. Und doch poche ich auf das Prozessuale von Noise oder absolut frei improvisierter Musik – im Sinne einer Veränderung von Hörgewohnheiten und dem generellen Verständnis von Musik an sich.“

amusio: „Woran knüpfst du diese Zuversicht?“

Paolo Ga’Iba Riva: „An Japan, dem womöglich fortschrittlichsten Land dieser Welt. Dort ist die Ansicht, dass Noise die, nun ja, Schlagermusik der Zukunft sei, nicht die Meinung eines Einzelnen. Sondern repräsentiert eine Art Umdenken, das sich am Geschmack für das abwägbar Menschliche orientiert.“

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