Interview mit Brian Williams (Lustmord)

„Um sich kosmischen Phänomenen zu nähern, bedarf es außergewöhnlicher Kreativität”

Der in Los Angeles residierende Waliser Brian Williams (52) gilt als einer bedeutendsten Impulsgeber einer Musikgattung, die gemeinhin unter dem Begriff des Dark Ambient subsumiert wird. So machte er sich unter anderem auch als Kollaborateur von Greame Revell – anfänglich bei SPK, später als Mitarbeiter an dessen Filmscores – einen Namen. Doch liegt sein Hauptaugenmerk weiterhin auf seinem 1982 ins Leben gerufenen Projekt Lustmord, für das er nach wie vor mit einem hohen Identifikationsgrad aktiv ist. So auch auf der aktuellen Veröffentlichung, Dark Matter (Touch/Membran, 30.09.). Hier verarbeitet der Künstler Klang-Dokumente seiner zwischen 1993 und 2003 erstellten audio library, deren Inhalte von nahezu gänzlich unerforschten Aktivitäten im All herrühren. Und das nicht zuletzt, um die Bedeutungslosigkeit des Menschen angesichts kosmischer Dimensionen zu betonen.

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Lustmord: "Dark Matter" (Touch/Membran)

Lustmord: “Dark Matter” (Touch/Membran)

amusio: „Hi Brian, auf Dark Matter näherst du dich einem kosmischen Phänomen an, das sich für uns Menschen zurzeit noch als unsichtbar geriert und allein anhand einer Gravitations-Wechselwirkung vermutet wird. Immerhin soll mindestens ein Drittel des gesamten Universums aus dieser ominösen Stofflichkeit bestehen. Was hat der Mensch von dieser Ahnung? Ist es das Privileg seiner Spezies, Mutmaßungen hinsichtlich Dunkler Materie anzustellen?“

Brian Williams: „Ich verstehe nicht, was daran ein Privileg sein soll, eine Ahnung von etwas zu haben, das unsere Verstandesleistung um ein Vielfaches zu übersteigen scheint. Es muss schon mehr als eine Ahnung sein, doch diese erschließt sich sicher nicht ohne fundierte Kenntnisse von Astrophysik oder Kosmologie.“

amusio: „Meine Frage zielte auch eher auf die psychologische, weniger auf die kosmologische Perspektive ab…“

Brian Williams: „Nun, die Psychologie mag angesichts der Dunklen Materie als Hilfsmetapher gerne scheitern (lacht). Aber auch sie muss hinsichtlich ihres Gegenstands eingestehen, dass die Dunkle Materie an unsere Hybris gemahnt. Vor dem Hintergrund der Nichtigkeit und den daraus abgeleiteten Konzepten individueller Überlebensstrategien gilt es vor allem, auch die Dimensionen der neuesten astrophysikalischen Erkenntnisse zu akzeptieren und auszuhalten.“

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