Embryo im Mutterleib: Nirvanas Meilenstein „In Utero“ wird 20

Viel zu glatt, viel zu mainstreamig war Kurt Cobain „Nevermind“ geworden. Das Album, das ihn und seine Band Nirvana 1991 über Nacht nicht nur berühmt, sondern zum Heilsbringer der sogenannten Generation X machte, gefiel ihm nicht.

Wie konnte das sein? War Nevermind nicht genau das, was man sich nach den 80ern gewünscht hatte? War dieser dreckige, direkte, rauhe – trotzdem melodische – Sound nicht genau das, wonach Millionen synthesizergeplagte junge Musikhörer lechzten?

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In Utero. Bild: Nathan Forget

In Utero. Bild: Nathan Forget

Ja und nein: wer „Bleach“ kennt, den noch viel ungehobelteren Erstling der Band aus Seattle, weiß, was Cobain an der Produktion von Butch Vig mißfiel. Sie war stark geglättet und gab dem Klang etwas stromlinienförmiges. Gut für die Charts, in künstlerischer Hinsicht unbefriedigend.

Auf “In Utero”, dem Nachfolger, der 2 Jahre später erschien, sollte deshalb alles wieder anders werden. Steve Albini produzierte das Album, dessen Cover eine weibliche Figur mit Engelsflügeln und gläserner Haut ziert.
Sollte es Cobains Ziel gewesen sein, mit “In Utero” wieder weg vom Mainstream zu kommen, hatte er sich natürlich getäuscht. Die Popularität der Band war 1993 auf einem All Time High. Die Fans hätten damals alles mit Hochgenuss vertilgt, was ihnen Nirvana vor die Füße warf. In Utero jedenfalls wurde seinem künstlerischen Anspruch gerecht: die 12 Songs, von „Serve The Servants“ bis „All Apologies“, trugen wieder weniger Make-Up als jene auf Nevermind. Sie klangen kantiger, manche, wie die Schrei-Orgie „Tourette’s“, sogar so, als wolle Cobain eine Art Anti-Song schreiben.

In Utero Cover. Bild: DGC Records

In Utero Cover. Bild: DGC Records

Wie groß der Widerstand gegen ein zu poppiges Album auch gewesen sein mag: Kurt Cobain konnte auch auf „In Utero“ sein immenses Talent als Songwriter nicht verbergen. Mit „Heart-Shaped Box“, „Rape Me“ oder dem vor allem in der Akustikversion zur Geltung kommenden „Dumb“ schuf der blonde Sänger Grungerockklassiker, die Maßstäbe setzten und in ihrer Art unnachahmlich blieben. Natürlich wurde “In Utero” auch in den USA (mehrfach Platin) und in Deutschland kommerziell ein gewaltiger Erfolg.
Fast 20 Jahre nach Erscheinen (im Juli 1992) ist das Album so hörbar wie damals. “In Utero” ist ein echter Nirvana-Klassiker: hart und aggressiv, traurig, wütend und sehr lyrisch. “In Utero” ist kein Schönwetteralbum. Es ist mitreißend, intensiv, und trägt die unverkennbare Handschrift eines Ausnahmekünstlers.

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