Weltschmerz deluxe: Naked Lunch kommen nach Stuttgart

Mit sphärischen, atmosphärisch dichten Klangteppichen triumphiert die Klagenfurter Formation „Naked Lunch“ in ihrem neuen Album „All Is Fever“. Ein künstlerisch selten reifes Werk, auf dem Weltschmerz und Hoffnung, Wut, Verzweiflung und Euphorie für ein intensives Wechselbad sorgen. In Stuttgart wird die Band am 8.April zu sehen sein. Wer den Termin verpasst, wird es bitter bereuen.

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Oliver Welter, Sänger von Naked Lunch. Bild: Manfred Werner

Oliver Welter, Sänger von Naked Lunch. Bild: Manfred Werner

Das vom Bandbassisten Herwig Zamernik produzierte Album ist vom ersten bis zum letzten Song vollkommen in sich stimmig, sowohl was Instrumentalisierung als auch die elegische, schwelgerische Atmosphäre dieses Rubins angeht. Wie wertvoll allein dieses Merkmal bei einem Album ist, wurde mir zuletzt bewußt, als ich mich durch das zusammengewürfelte, grob gehobelte Lieblos-Album der Strokes wurstelte.

Hier ist alles anders, und alles ist intensiv: Oliver Welter singt und klagt, und er tut es immer authentisch. Dass jemand irgendwann massiv gelitten hat, ist keine Frage. Es ist ein Weltschmerz-Album. Gleichzeitig ist es ungemein schön und hoffnungsvoll, was nur die wenigsten Platten dieser Gattung schaffen. „Naked Lunch“ transportieren eine reife Ehrlichkeit, ihre Songs gleichen klaffenden, offenen Wunden. Nur Daniel Johnston („Fear Yourself“) kommt mir direkt in den Sinn, wenn ich an vergleichbar sensible, unter die Haut gehende Musik denke.

Im stimmigen Gesamteindruck verweben sich Elemente von Indie, Waverock und Britpop zu einer euphorisierenden Soundmauer. Auch gibt es Stellen, wo cleane Gitarrenparts sich puristisch mit Welters gedämpften Gesang vereinen, bevor sich wieder ein prophetischer Orgelsound darüberlegt. Anderswo (wie auf „The Sun“) klingen „Naked Lunch“ wie Filmmusik, aufstrebend, galoppierend, fast wie eine kleine Rockoper.

Oft sind die Songs aufgebaut wie das strahlende „Shine On“, das sich, ausgehend von einer einfachen Idee, langsam steigert, um dann im frenetischen, mantraartig gerufenen Refrain zu gipfeln.

Egal in welcher Verkleidung sie daherkommen: die Songs sind kleine Diamanten, jeder einzelne kostbar auf seine Weise. Ohne ihre Vorgängeralben zu kennen, liegt der Gedanke nahe, dass „Naked Lunch“ wie ein gut gereifter Wein nach 20 Jahren nun zu voller Entfaltung kommen.

Termin:
8.4.2013
Club Zwölfzehn
Paulinenstraße 45
70178 Stuttgart

Tracklist:
1. Keep It Hardcore
2. The Sun
3. At The Lovecourt
4. Shine On
5. Dreaming Hiroshima
6. My Lonely Boy
7. 07 41
8. Hammer It All
9. Over It
10.The Funeral

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